Sonntag, 14. April 2013
Traumschiff Teil 16
Postet by niffnase
Eigentlich hatte ich nach dem Ende des letzten Kapitels erwartet, dass es mehr Meinungen gibt zu der aktuellen Entwicklung des Geschehens. Dem war anfangs nicht so, dann kamen aber doch einige Rezensionen, also geht es jetzt weiter mit der Geschichte von unseren, mir zumindest schon ans Herz gewachsenen Jungs, die im Moment eine relativ turbulente Zeit erleben, was ihre Gefühle angeht.
Sergej Montag, ca. 13:00 Uhr
Ich laufe, mit Tränen verschleiertem Blick Richtung Tannenstraße, nach Hause, zu meiner Familie. Meine Gedanken spielen verrückt, mein Herz tut weh, ich hadere mit mir selber über das, was ich eben getan habe.
Ich habe ihm bestimmt sehr weh getan, den Schmerz in seinen Augen sehe ich noch, seine aufkommenden Tränen. Aber ich konnte nicht anders, es ist alles über mich herein gebrochen, alles in den letzten Tagen ging so schnell, fast ohne mein Zutun, ohne meinen Willen , gerade so, als wäre ich Zuschauer in meinem eigenen Leben.
Ich musste jetzt einfach mal die Notbremse ziehen, zeigen, dass es hier auch um mich geht und nicht nur um Jeromes Familie, ihre Verhältnisse, Ihr Umfeld. Ich will gefragt werden bei Entscheidungen, die mich und mein Leben betreffen, nicht einfach alles ab nicken, was hier so auf mich zugekommen ist.
Ja, ich liebe diesen Jungen, mehr, als ich jemals einen Menschen geliebt habe und er liebt mich auch. Aber sie haben mich einfach vereinnahmt oder besser noch beschlagnahmt, so fühlt es sich jedenfalls an. Ich werde wie selbstverständlich eingeplant, ausgestattet mit teuren Klamotten, wohne in einer Suite und werde von Pagen bedient.
Leute begleiten mich, bedienen mich, kriechen mir hinten rein, obwohl ich das nicht gewöhnt bin. Bei mir ist es eher umgekehrt, ich bediene, serviere und lerne es, anderen einen guten Aufenthalt in dem Hotel, in dem ich arbeite, zu ermöglichen.
Ich bin es, der das nicht gewohnt ist und auch nicht braucht und ich soll einfach so tun, als wäre das selbstverständlich, normal und richtig. Und alles nur, weil ich mich in Jerome verliebt habe, weil seine Familie voll die Kohle hat, sie es gewohnt sind, im Luxus zu leben
Nicht, das die abgehoben auf mich wirken, nein, aber die haben mich einfach aufgesaugt, ohne wenn und aber in ihren Alltag integriert, obwohl ich all den neuen Eindrücken und Gegebenheiten erst einmal einen Platz in meinem Leben einräumen muss, es akzeptieren muss, das mein Leben jetzt anders abläuft.
Nicht genug damit, dass ich jetzt schwul bin, Jerome liebe, Sex mit ihm habe in einer Art, die so total neu ist, nein jetzt auch noch plötzlich vom armen Schlucker mit zwei Jobs zum Schwiegersohn eines megareichen Karl August Remmers, einer der angesehensten und reichsten Familie in und um Bremen. Das kann doch kein Mensch so einfach verkraften innerhalb von höchstens mal zwei Wochen.
Ich biege in die Tannenstraße ein, nehm mein Handy, klingel Mama an. „Hallo, Sergej, wo seid ihr denn und warum rufst du an“, fragt Mama, die sofort meine Nummer erkennt. „Ich bin vor der Tür, mach bitte auf“, sag ich und als der Öffner summt, geh ich rein und hoch. Mama wartet an der Wohnungstür, sie guckt ganz erstaunt, sucht mit ihren Blicken nach Jerome.
Als sie in mein Gesicht schaut, kommen mir wieder Tränen und sie nimmt mich einfach in den Arm, ohne zu fragen, einfach so. Dann schiebt sie mich in den Flur und nach dem sie die Türe geschlossen hat, weiter ins Wohnzimmer. „Setz dich“, sagt sie, „wir sind allein, Papa ist rüber zu Opa nach Radebeul und die anderen sind noch in der Schule. Was ist passiert, habt ihr euch gestritten?“
„Eigentlich nicht“, sage ich, „ich bin weg gelaufen, habe Jerome und Martin im Einkaufscenter sitzen lassen und bin hier her“. Ich beginne, Mama alles zu erzählen, mit alles meine ich dann auch alles, wie alles angefangen hat, über seine Familie, über uns und auch, dass wir uns sehr lieb haben und auch, das wir Sex haben miteinander, ohne Details, versteht sich.
Ich erzähle, wie das mit dem Shoppen war, in Bremen zuerst und heute in Dresden, wie ganz selbstverständlich ich da einfach in alles hineingesteckt werde und wie ich mich dabei fühle. Mama hört zu, stellt ab und zu eine Frage, gibt aber keinen Kommentar ab, zu dem, was ich erzähle. Es dauert schon eine gute Weile, bis ich mir alles von der Seele geredet habe.
Nun habe ich alles erzählt, sitze auf der Couch und habe Angst, Angst, dass er mich und mein Verhalten nicht versteht. Dass er sich sagt, dass es keinen Sinn macht, mit jemand, der gleich beim ersten Konflikt ohne ein Wort und ohne Ankündigung einfach davon läuft. Der den anderen sitzen lässt und flüchtet, an statt sich gemeinsam mit den Problemen auseinander zu setzen.
Mama ist in die Küche gegangen, kommt mit Kaffee, zwei Tassen und Gebäck zurück und stellt alles auf dem Tisch ab, „Mein lieber Junge“, sagt sie zu mir, „das du so einfach weg gelaufen bist, kann ich zwar verstehen, aber auch erst, nachdem ich gehört habe, was in den letzten zwei Wochen geschehen ist. Aber Jerome wird es nicht ohne eine vernünftige Erklärung verstehen.“Sie schüttet die Tassen voll.
„Schau, heute Morgen war für ihn und für dich die Welt noch in Ordnung. Ihr liebt euch und das hat sich ja jetzt wohl auch nicht geändert, oder?“ Ich schüttel den Kopf und sage leise: „Nein, Mama, ich liebe ihn, ganz Dolle und das wird sich wohl auch nicht ändern.“ Ich trinke einen Schluck Kaffee, versuche irgendwie, meine innere Ruhe wieder zu finden.
„Dann bist du, in einer Art Kurzschlussreaktion, weg gelaufen“, sagt Mama, „ panisch und ohne nach zu Denken. Er wird sich jetzt tausend Fragen stellen, was er vielleicht falsch gemacht hat, ob er dich verletzt hat oder was sonst der Grund ist für dein Davonlaufen. Er wird, genau wie du, Angst haben, wenn er dich liebt und das tut er ganz offensichtlich und auch sehr intensiv.
Er wird jetzt warten, warten darauf, dass du dich meldest, mit ihm sprichst, sagst, was los ist. Er wird wie du Hilfe suchen, bei diesem Martin oder auch bei seiner Mutter, das weiß ich nicht, aber Hilfe wird er suchen, so wie du. Ich kann dir aber auch nur Ratschläge geben, dich in den Arm holen und trösten, aber aussprechen musst du dich mit Jerome und auch klären, wie ihr in Zukunft eure Probleme regelt.
Weglaufen, ist keine Lösung, wird zwangsläufig irgendwann zum Ende eurer Liebe führen und euch beide tief unglücklich machen. Dass ihr euch liebt, sieht jeder und wer dich kennt, so wie ich, der hat dich gestern noch total glücklich gesehen. Das die Familie von Jerome so viel Geld und Einfluss hat, ist das eine, das ihr euch liebt und du dich wegen deiner Herkunft und unserem sozialen Stand nicht zu schämen brauchst, ist die andere Seite der Medaille.
Du, der Mensch Sergej, du bist derjenige, den Jerome liebt. Nicht das Kind eines Bahnangestellten, nicht den angehenden Hotelkaufmann und nicht die Bedienung im Krankenhauscafe, nein Sergej ist es, der wird geliebt von Jerome, mein großer Schatz. Jerome, der ist der Letzte, der dich kaufen will.
Für ihn bist du ein großes, ja vielleicht das größte Geschenk überhaupt, das der Himmel oder wer auch immer ihm in all seinem Leid geschickt und geschenkt hat. Und ein solches Geschenk braucht man nicht noch zusätzlich zu kaufen.
Das er und auch seine Mutter ein bisschen an der Verpackung verändern wollen, hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Wert des Geschenks zu tun. So musst du die Sache sehen, Sergej, ihn muss du sehen als Menschen, der dich liebt, egal was du hast oder wo du her kommst.
Oft ist es in solchen Kreisen üblich, Partner nur aus dem gleichen Umfeld zu suchen, zumindest was die Verheiratung von Töchtern und Söhnen angeht. Homosexuelle Verbindungen finden dort wohl auch eher im Stillen oder Geheimen statt.
Das alles ist aber wohl in Jeromes Familie nicht so und ich finde, dass sie dich in jeder Hinsicht positiv angenommen haben. Alles, was du uns darüber erzählt hast und was Jerome erzählt hat, sagt mir, das sie dich mögen und gern haben und wenn das so ist, dann ist der Vorwurf, das sie dich kaufen wollen, eigentlich nicht haltbar.
Dass sie es versäumt haben, dich mehr in ihr Handeln mit ein zu binden, ist bestimmt keine Absicht und wird sich, wenn ihr mal über alles gesprochen habt, in Zukunft sicher anders gestalten. Ich finde, es ist allerhöchste Zeit, deinen Schatz anzurufen und dich mit ihm aus zu sprechen.“
Das Gespräch mit Mama hat mir schon einiges klar gemacht. Meine Reaktion war wohl arg überzogen, aber in dem Moment war es einfach alles zu viel und nun muss ich sehen, dass ich das wieder alles in den Griff bekomme, mit Jerome und mir. Ich rufe im Hotel an, will mich mit ihm verbinden lassen.
An der Rezeption sagt der Mann: „Herr Remmers ist zum Flughafen gefahren und wir wissen nicht genau, wann er zurück kommt, Herr Radic.“ „Wann ist er denn weg“, unterbreche ich den Mann und werde schon wieder nervös. Was will er denn am Flughafen?
„ Kurz nach Fünfzehn Uhr ist er vorbei gekommen und hat gesagt, falls sie, Herr Radic, kommen oder anrufen, sollen wir ausrichten, das er mit Martin zum Flughafen gefahren ist und voraussichtlich gegen Siebzehn Uhr zurück sein wird“, sagt der Mann am Telefon, „und er hat noch eine Telefonnummer hinterlassen, die sie anrufen können.“
Er gibt mir die Nummer, die ich aufschreibe und dann verabschiedet er sich. Ich lege auf um gleich darauf die Nummer anzurufen, die wohl zum Telefon im Audi gehört. Mein Anruf wird aber nicht angenommen, offensichtlich ist der Wagen abgestellt und es sitzt weder Jerome noch Martin drin. Ich wird es jetzt auf Jeromes Handy versuchen, das hätte ich besser gleich gemacht.
Ich wähle und nach dem dritten Zeichen hör ich seine Stimme, aufgeregt sagt er:“Schatz, ich liebe dich, ist alles OK mit dir? Wo bist du, sag doch was?“ „Du lässt mich ja nicht zu Wort kommen“, sag ich und grinse zum ersten Mal seit ich ihn allein gelassen habe. „Nichts ist OK, ich habe Mist gebaut, bin einfach abgehauen und das tut mir leid. Ich liebe dich ganz, ganz Doll. Wo bist du, ich will zu dir?“, sag und frag ich.
„Wir sind am Flugplatz“, antwortet er, „ ich habe, als du weg bist, meine Mama angerufen, panisch war ich, hatte Angst, du willst mich nicht mehr. Sie kommt jetzt her, muss jeden Moment landen. Bist du zu Hause?“
„Ja, ich bin zu Hause. Wie ich sehe, sind wir beide zuerst mal zur Mama gelaufen, Helden, die wir sind“, sag ich und muss fast lachen, so komisch kommt mir die Situation jetzt vor. „Ja, sieht wohl so aus, Martin hat mir diesmal nicht gereicht, so eine Panik, wie ich hatte“, sagt er, „wenn Mama da ist, kommen wir zu euch. Ich liebe dich, lauf bitte nie mehr so einfach weg, mein Schatz.“
„Ich werde es nicht mehr tun, das verspreche ich“, sag ich, „wir werden das schon in den Griff kriegen mit uns beiden. Ich will dich nie verlieren, Jerome. Ich warte dann hier auf euch und wir freuen uns, meine Mama und ich, das deine Mama uns besucht. Und ganz Doll freu ich mich auf dich, ich vermiss dich so“
„Ich glaube, das Flugzeug mit Mama landet gerade, wir kommen dann später vorbei, bis gleich“, sagt er, „ich liebe dich.“ Dann legt er auf. Ich bin so froh, dass er nicht sauer ist auf mich, weil ich einfach so abgehauen bin.
Bin mal gespannt, wie seine Mama das gemacht hat, so schnell nach Dresden zu kommen in der kurzen Zeit. Es sind ja gerade mal viereinhalb Stunden her, seit ich einfach weg gelaufen bin. Ich sage Mama Bescheid, dass wir später noch Besuch kriegen und als sie hört, dass Jerome auch seine Mama kontaktiert hat, lacht sie ein bisschen.
Meine beiden jüngeren Schwestern sind mittlerweile nach Hause gekommen und nach einer kurzen Begrüßung in ihrem Zimmer verschwunden. Auf die Frage, wo denn Jerome ist, hat Mama gesagt, dass er später kommt. Vanessa kommt in einer Stunde und Boris wohl gegen halb Fünf.
„Papa muss auch gleich kommen, er ist mit dem VW-Bus bei Opa in der Werkstatt und hat Ölwechsel gemacht und noch ein paar Kleinigkeiten“, sagt sie und räumt ein bisschen auf im Wohnzimmer. „Guck mal, Sergej, ob im Flur und im Bad alles OK ist, wenn die Frau Remmers kommt, will ich uns nicht blamieren.
Ich schaue nach mache noch ein bisschen Ordnung bei den Schuhen und putze etwas Zahnpasta vom Spiegel ab. Dann häng ich noch zwei frische Handtücher ans Waschbecken, das war es dann. Alles ist in Ordnung und wegen mir könnten sie schon da sein, ich vermisse meinen Schatz immer mehr.
Jerome Montag gegen 17:00Uhr
Der Jet der Hapag-Lloyd ist gelandet und wir warten darauf, dass Mama kommt. Für private Flieger ist ein extra Ausgang vorhanden, der, an dem ich jetzt mit Martin stehe und auf Mama warte. Meine Panik, meine Ängste sind dank seines Anrufs vorhin fast ganz verflogen und es geht mir wieder einigermaßen gut.
Ich war zuerst total perplex, dann habe ich Angst um uns und dann Panik bekommen, das er nicht zu mir zurück will. So ganz verstanden habe ich sein Verhalten immer noch nicht, ich habe ihm ja eigentlich nichts Böses getan. Ich habe ihn schick eingekleidet für Mamas Geburtstag und seinen Geschwistern ein paar Kleider gekauft, weil Boris ja den Ball bekommen hat und die anderen nichts.
Sicher, er ist das nicht gewöhnt, so viel Geld in ein paar Kleider zu stecken, bei uns ist das aber einfach so und wir denken auch nicht allzu viel über die Preise der Sachen nach. Eigentlich habe ich mich noch nie richtig dafür interessiert, wo das Geld, das wir ausgeben, her kommt. Vielleicht kann Mama mir das ja mal näher bringen.
Für das Kleingeld, so bis Fünfhundert Euro war immer Martin zuständig und was darüber hinaus ging, wurde immer per Kreditkarte erledigt. Wir, also Natascha und ich haben auch nie Riesenmengen gehortet. Wenn wir oder Mama der Meinung waren, das wir etwas Neues brauchen, dann wurde das gekauft, egal, wo auf der Welt wir gerade waren.
Mal sehen, was Mama zu der ganzen Entwicklung sagt und wie sie Sergejs Verhalten einschätzt. So wie ich Mama kenne, wird sie ihm überhaupt nicht böse sein, sondern Verständnis haben für seine Ängste. Warten wir es mal ab.
Da kommt sie endlich, in einem eleganten schwarzen Jackenkleid und mit einer roten Handtasche sieht sie einfach super aus. Ein Stewart aus dem Jet trägt ihren Koffer und sie kommt zielstrebig auf uns zu. „So, die Feuerwehr ist da, wo brennt es denn?“, fragt sie und umarmt mich und gibt mir einen Kuss.
„Oh Mama, es war ganz schlimm, Sergej ist einfach weg gelaufen, hat gemeint, er hätte das Gefühl, das wir ihn kaufen und nach unseren Wünschen verändern wollen“, sag ich zu Mama. Martin nimmt dem Stewart den Koffer ab und wir gehen zum Auto. Unterwegs dorthin erzähle ich Mama dann, dass Sergej angerufen hat und jetzt zu Hause bei seiner Mutter ist.
„Weiß Martin, wo Sergej wohnt?“, fragt Mama und als ich nicke, sagt sie: „Martin, fahr bitte zu Sergej nach Hause.“ Martin nickt und nachdem der Koffer verstaut ist, fahren wir los. Unterwegs erzähle ich Mama noch mal alles und auch einiges über Sergejs Familie. Es ist viel Verkehr und so dauert es fast fünfundvierzig Minuten, bis wir in die Tannenstraße einbiegen.
Mama schickt Martin mit dem Auto und dem Koffer ins Hilton. „Mein Mann hat ein Zimmer für mich gebucht, bring bitte das Gepäck dorthin und erledige die Anmeldung. Wir rufen dich an, wenn du uns abholen sollst“, sagt sie zu ihm, dann gehen wir zur Haustüre und ich drücke den Klingelknopf.
Es dauert nicht lang, bis sich nach dem Klingeln die Türe öffnet und wir gehen die Treppen nach oben. Schnelle Schritte von oben sagen mir, das er uns entgegen kommt und schon umschlingen mich zwei Arme und seine Stimme schluchzt in mein Ohr: „Es tut mir so leid“. Meine Lippen verschließen seinen Mund und wir küssen uns wie von Sinnen.
Mamas Räuspern ruft uns in die Wirklichkeit zurück und sie sagt mit einem Lächeln in der Stimme: „Wenn die Herrn dann mal den Weg nach oben nehmen könnten, wäre ich froh. Das Treppenhaus ist nicht der einladenste Ort für irgendwelche Wiedersehensfeiern und ich würde auch gern mal die Familie meines zukünftigen Schwiegersohns kennenlernen.“
Mit zarter Gesichtsrötung machen wir uns auf den Weg nach oben. Er hat meine Hand genommen, hält sie fest, so als wolle er sie nie wieder los lassen. Mein Herz pocht vor Aufregung, er liebt mich und er wird mich bestimmt nicht mehr so einfach verlassen. Ich werde ihn auch mehr in mein Handeln einbeziehen, nicht einfach beschließen, sondern bereden.
Seine Mama steht an der Wohnungstür und lächelt uns an und sagt: „Hallo, guten Tag und herzlich Willkommen in unserem Zuhause, Frau Remmers und auch dich zu sehen, Jerome, freut mich ganz besonders. Kommt bitte erst mal rein, immer geradeaus, Jerome, du kennst dich ja schon aus. Ich geh mal den Kaffee holen. Setzt euch bitte an den Tisch, ich bin sofort da.“
Wir, Mama, mein Schatz und ich gehen ins Wohnzimmer und setzten uns um den Tisch. Sergej hängt förmlich an mir und wir setzen uns wie selbstverständlich auf die Couch. Sergej wirft ab und zu einen forschenden Blick auf meine Mutter, als wolle er ergründen, ob sie sauer ist, wegen seinem Verhalten.
Sergejs Mama kommt jetzt mit einem Tablett Kaffeegeschirr und mit Kaffee und Gebäck und stellt alles auf den Tisch. Jedem stellt sie ein Gedeck hin und gießt dann auch gleich Kaffee ein. Jetzt nimmt sie ebenfalls Platz und schaut meine Mama an. „Es ist schön, das sie so schnell gekommen sind und wir uns jetzt ein bisschen kennenlernen können“, sagt sie zu meiner Mama.
„Nun, als Jerome anrief, war ich zuerst erschrocken. Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass es zu ernsthaften Komplikationen kommen würde, weil die beiden ja doch sehr verliebt in einander sind. Das sie, die Familie, es so gut aufgenommen haben, das die Beiden ein Paar sind, hat mich eigentlich sicher gemacht, das für beide jetzt die Welt in Ordnung ist.“
Mama macht sich Milch in den Kaffee und trinkt dann einen Schluck davon. Dann fährt sie fort: „Ich habe aber wohl außer Acht gelassen, das unsere Welt Sergej durch seinen Beruf zwar nicht fremd ist, das es aber wohl einen Unterschied für ihn macht, diese Welt einfach nur zu kennen oder aber in ihr zu leben.
Mein Mann und ich haben es versäumt, einiges zu erklären und um das nach zu holen und die Dinge ins rechte Licht zu rücken, deshalb bin ich so schnell es ging, hier her gekommen. Ich hoffe, du verzeihst uns unsere Annahme, dass du dich auch ohne Erklärungen in unserer Welt zu Hause fühlst.“
Wieder trinkt sie von dem Kaffee, bevor sie weiterspricht: „Die letzten Monate waren für uns aufregend und nicht leicht. Jerome war verschlossen, eigenwillig und nicht zugänglich. Dann kam dieser grässliche Unfall, der unsere heile Welt nachhaltig zerstört hat. Von da an war vieles anders und ich hatte oft die Befürchtung, dass mein Sohn an diesem Schicksal verzweifelt und sich was antut.
Dann machte er mir zu allem Übel auch noch das Geständnis, das er Jungs liebt und mit Mädchen nichts anfangen kann. Meine Angst, ihn zu verlieren wuchs noch einmal mehr und wir, meine Familie und ich, Martin nicht zu vergessen, taten unser Möglichstes, um ihn auf zu muntern und auf andere Gedanken zu bringen.
Das Schwul sein ist nichts, was uns erschreckt, vielmehr die Tatsache, dass in seiner eh schon depressiven Stimmung nach dem Unfall auch noch das Gefühl, anders zu sein, hinzu kam und seine Stimmung in den Keller zog. Das alles änderte sich spürbar nach dem dritten Besuch bei Dr. Schmelzer, zur Prothesenanprobe.
Von dem Tag an habe ich eine deutliche Verbesserung an Jerome bemerkt, er fing wieder an, zu agieren, zu leben, nahm wieder teil an unserem Leben. Mit deinem Eintritt in sein Leben, Sergej, fing Jeromes Leben wieder an, ein solches zu sein. Ich habe sofort gemerkt, das was Außergewöhnliches geschehen sein musste.
Als du dann am Abend deines Unfalls zu uns kamst, wusste ich, das du der Grund warst, für den er allen Frust und alle schlechte Laune und Depression über Bord geworfen hat, für den er sogar seine fehlenden Füße vergessen hat. Ich habe eure Blicke gesehen, die Zärtlichkeit und die Liebe, und in diesem Moment hast du mein Herz erobert, hat mein Herz dich adoptiert.
Ich war so froh und in meinem Überschwang, habe ich dich, und mein Mann natürlich auch, in unsere Familie aufgenommen und dich genauso behandelt, wie unseren Sohn. Wir haben aber einen großen Fehler gemacht und das hat dann ja heute Morgen wohl auch dazu geführt, dass du dich wohl zu Recht auch, übergangen gefühlt hast.
Wir hatten nie die Absicht, dich zu kaufen, warum auch, du warst und bist immer noch verliebt in meinen Großen, willst ja eigentlich immer bei ihm sein. Wozu also etwas kaufen, das man geschenkt bekommt? Wir haben es versäumt, dir zu erklären, was es bedeutet, mit uns zu leben. Wir haben Geld, mehr Geld, als wir jemals verbrauchen können.
Wir haben Macht, denn viel Geld zu haben, bedeutet Macht und Einfluss. Karl August besitzt Anteile an etwa dreißig Firmen, in denen etwa fünfundzwanzig Tausend Menschen arbeiten. Auch ein großer Anteil der Hilton-Kette gehört ihm. Dazu die Reederei mit den Schiffen, auch die MS Europa, auf der du eigentlich gerne anheuern wolltest, gehört ihm zu über fünfzig Prozent.
Für uns ist Geld und auch das Ausgeben von Geld nichts, was diskutiert wird oder dem besondere Aufmerksamkeit zu kommt. Das heißt nicht, dass wir es Türen und Fenster raus schmeißen, aber einen Anzug zu kaufen für tausend Euro, das ist halt kein Ding, das irgendeine Diskussion nach sich zieht.
Das ist auch der Grund, das Jerome spontan und an meinen Geburtstag denkend, heute Morgen diese Anzüge gekauft hat. Wir haben aber nicht daran gedacht, dir unser Leben ein bisschen zu erklären, dir zu sagen, was du uns bedeutest und auch, das wir dich halt so wie einen Schwiegersohn sehen und auch so behandeln möchten.
Ich habe dich in der relativ kurzen Zeit in der wir uns jetzt persönlich kennen, sehr lieb gewonnen, nicht nur, weil du Jerome liebst, nein, auch weil du ein ehrlicher, netter und gut erzogener junger Mann bist. Jemand, der auf eigenen Füßen steht, der Ziele hat und was machen will aus seinem Leben.
Wenn du jetzt irgendwie mit meiner Tochter befreundet wärst und ihr euch verliebt hättet, so wäre das wohl genauso mit meinen Gefühlen für dich. Ich mag dich als der Mensch, der du bist und wir wollen keinen anderen Menschen aus dir machen, wollen dich nicht verbiegen oder verändern.
Du sollst der Sergej bleiben, in den sich Jerome verliebt hat und nur, weil wir die Verpackung und auch einige Rahmenbedingungen anders gestalten, als du das bisher gewohnt bist, mögen wir den Inhalt, also dich, so, wie du bist und daran wollen wir auch nichts verändern.
Allerdings musst du dich an dieses neue Umfeld gewöhnen und auch der Schritt zusammen mit Jerome in die Öffentlichkeit wird nicht immer so sein, wie du dir das vorstellst. Wir kommen halt mit vielen Prominenten zusammen, mit Politikern, Unternehmen, bekannten Künstlern und so weiter.
Man wird sehr schnell merken, dass du unser Schwiegersohn bist, also der Mann, der mit unserem Sohn zusammen ist. Es wird also auch sehr schnell bekannt in unseren Kreisen, das Jerome und somit auch du schwul sind. Allerdings wird sich niemand trauen, sich öffentlich abfällig darüber zu äußern.
Sicher wird es den einen oder anderen geben, der unserer Einladung in Zukunft nicht mehr folgt, aber das können wir gut verschmerzen. Wir haben schon immer und werden auch in Zukunft zu unseren Kinder stehen, bedingungslos und ohne Vorbehalt und das gilt für unsere Schwiegerkinder ganz genau so.
Du brauchst dich nicht zu schämen, du hast eine tolle Familie, gute Eltern und eine sehr gute Erziehung. Du kannst dich genauso gut in unseren Kreisen bewegen wie wir, und was das wichtigste überhaupt ist, du liebst Jerome ehrlich und aufrichtig und er dich auch. Du musst niemals das Gefühl haben, das du nicht zu uns passt.
Wir mögen dich sehr, gerade auch, weil du bist, wie du bist, denn das macht dich liebenswert. Verzeih uns, das wir dich überfahren haben, das wir es versäumt haben, dich mehr in die Dinge, die euch beide betreffen, mit ein zu beziehen. Wir wollen das in Zukunft besser machen, denn wir wollen, das ihr beide zusammen glücklich seid.“
Jetzt strahlt er, mein Schatz und schmiegt sich an mich. „Schon als ich hundert Meter weg war heute Mittag, hat es mir leid getan, aber ich war so verunsichert, das ich nicht zurück kehren wollte“, sagt er, „ich brauchte jemanden zum reden, jemanden, der mich kennt, weiß, wie ich ticke und das war eben Mama. Ihr habe ich alles erzählt, meine Ängste und Gefühle, einfach alles. Sie hat dann auch direkt gesagt, das ich dich anrufen soll“.
Seine Mama lächelt und sagt: „Ja, Liebe ist manchmal kompliziert und kann ziemlich stressig sein. Aber wenn der Stress vorbei ist, dann ist sie umso schöner:“ Das lässt mich gleich an heute Abend denken, an den Bus und die Einbahnstraße und ich muss grinsen. Sergej schaut mich an und am Aufblitzen seiner Augen sehe ich, das wir gerade beide die gleichen Gedanken haben und ich kann euch sagen, keusch sind die nicht, echt nicht.
Ole
Nach dem Duschen zieh ich mich an, ein bisschen locker, Trainingsanzug und so, aber frische und nette Unterwäsche, obwohl die ja wohl auch schnell auf dem Boden landen wird, so wie ich Frank mittlerweile kenne. Ich muss an was anderes denken, sonst hat Torsten noch mal was zu lästern, wenn ich eine Latte kriege.
Seine beobachtenden Blicke brennen förmlich auf meinem Hintern, als ich die Pants anziehe. „Gefällt dir mein Arsch, du Spanner?“, frag ich und dreh mich rum. „Joah, ganz nett, der Pöter, kann sich sehen lassen“, sagt er und grinst frech, „Frank hat Glück gehabt mit dir, so einen schönen Arsch hat nicht jeder.“
„Sag mal, bist du sicher, dass du nicht auch schwul bist, Kleiner?“, frag ich jetzt doch ernsthaft, weil sein Gerede über meine und Franks Sexualität, sein Kopfkino und der Spruch vom Lieblingshomo mir doch zu denken geben. „Nee, lass mal, ich steh auf Frauen und auf welche besonders, das weißte ja. Das hindert mich aber nicht daran, eure Aktivitäten geistig zu begleiten aber einen Harten macht mir das nicht“.
„Na, dann bin ich ja beruhigt. Es würde mich schon emotional belasten, wenn ich für die weißen Sportsflecken in deinen Unterhosen verantwortlich wäre“, sag ich jetzt, seinen Sprüchen nun ebenfalls mit ähnlichen Sprüchen zu begegnen. Eine leichte Röte zieht in seinem Gesicht auf und er fragt frech: „Schnüffelst du etwa in meiner dreckigen Unterwäsche, ist das so eine deiner Vorlieben?“
„Wenn es eine Pants von Frank wäre, könnte ich mir schon vorstellen, an ihr zu schnüffeln, vor allem, wenn er nicht bei mir ist, aber deine Bremsspuren reizen mich jetzt absolut gar nicht“, konter ich und grinse frech. „Na Gott sei Dank, ich dachte schon, ich müsste meine Unterwäsche jetzt einschließen“, kommt prompt die Antwort und er grinst jetzt wieder wie ein Honigkuchenpferd.
Ich bin jetzt fertig und schnappe mir noch meine Uhr und meinen Geldbeutel und geh zur Tür. „ich wünsch euch einen geilen Nachmittag und denkt an die Verhütung“, lässt er es sich nicht nehmen, noch ein bisschen zu lästern.
„Und du“, konter ich, „denk dran, bei neunundneunzig Handwechsel zu machen, sonst kriegst du Sehnenscheidenentzündung vom Wichsen.“ Lachend zieh ich die Tür hinter mir zu, das mir nachgerufene „Arsch“ höre ich aber noch.
Ich gehe noch in der Cafeteria vorbei und hole ein paar Teilchen und zwei Kaffee to Go mit. Frank hat bestimmt schon geduscht und wartet sicher auf mich. An seiner Türe im Wohnheim angekommen, klopfe ich und drück die Klinke runter. Frank sitzt auf dem Bett, mit rotem Gesicht und ganz verheult. Das Mitgebrachte abstellend, bin ich mit wenigen Schritten bei ihm und er wirft sich sofort in meine Arme.
Er schluchzt laut auf, drückt sein Gesicht an meine Brust und stöhnt: „Oh Ole, meine Mutter hat angerufen, unser Hund, eigentlich mein Hund ist tot, jemand hat ihn vergiftet.“ Ich drück ihn fest an mich, streichel durch sein Haar und sage leise: „Das tut mir leid für dich.“ Mehr fällt mir im Moment nicht dazu ein und so halte ich ihn einfach und streichel in weiter.
Ich drück ihn wieder aufs Bett und lege mich dann neben ihn, zieh seinen Oberkörper auf mich und bette seinen Kopf auf meiner Brust. „Erzähl mir ein bisschen von deinem Hund“, sag ich leise, in der Hoffnung, das ihm das hilft, den Schock zu verarbeiten. Er weint jetzt leise, seine Schultern beben und ich streichel sanft über seinen Rücken.
„Zu meinem vierzehnten Geburtstag habe ich mir einen Hund gewünscht, nicht irgendeinen sondern einen Riesenschnauzer. Das sind gute und intellegente, sehr treue und anhängliche Hunde. Er war sehr gut in unsere Familie integriert und auch, als ich hier nach Bremerhaven ging, hat er sich bei uns zu Hause weiterhin sehr wohl gefühlt.
Er ist besonders wachsam gewesen und hat niemanden Fremdes ans oder ins Haus gelassen. Er kannte unsere Freunde und Bekannten und auch den Briefträger, der nichts von ihm zu fürchten hatte. Fremde aber hatten keine Chance, an ihm vorbei zu kommen. Leuten gegenüber, die er gut kannte, war er zutraulich und von denen nahm er auch was zu essen an.
Sachen, die rumlagen draußen, hat er nicht gefressen, das habe ich ihm sehr früh beigebracht und auch von Fremden nahm er nichts, solange, bis er die Erlaubnis von einem von uns hatte.“ Immer noch schluchzt er zwischendurch auf, beruhigt sich nur sehr langsam, während er weiter erzählt.
„Er brauchte viel Bewegung und so war ich viel mit ihm draußen. Durch ihn oder besser gesagt, wegen ihm habe ich dann auch Paul kennen gelernt. Pauls Familie wohnte im selben Ort, wir hatten aber nie Kontakt miteinander, obwohl er aufs selbe Gymnasium ging. Er war aber zwei Klassen höher als ich, so dass wir uns nicht direkt kannten.
Sie hatten auch einen Hund und irgendwann sind wir uns an einem kleinen See in unserer Nähe begegnet, und kamen in Kontakt, als sich die umher laufenden Hunde beschnuppert haben. Sein Hund war viel kleiner und er hatte wohl Angst, mein Hund könnte dem Kleinen was tun. So haben wir uns kennen gelernt da war ich nicht ganz sechszehn Jahre alt.
Von da an haben wir uns öfter da getroffen und auch in der Schule den Kontakt zu einander gesucht. Ein Jahr später wurde mehr daraus und ab da waren wir zusammen. Wir sind viel mit den Hunden gelaufen und Artus, so hieß mein Hund, kam gut mit Paul und dessen Hund zurecht. Paul machte dann auch Zivildienst hier in der Nähe und ging erst nach München, als ich das Abitur gemacht habe und hier meinen Zivildienst begann.“
Er verstummt, schluchzt wieder. Mir kommt ein ziemlich böser Gedanke. Wenn der Hund nur Bekannte an sich ran ließ und nur von denen was zum Fressen annahm, wer hatte dann Interesse, dem Hund was anzutun oder wollte derjenige Frank damit treffen, so als Rache oder sowas. „Hat du mal darüber nach gedacht, wer dem Hund etwas Böses wollte oder war vielleicht der Hund nur Mittel zum Zweck, solltest Du damit bestraft werden“, frage ich.
Sein Kopf ruckt hoch und meine Gedanken verstehend, tritt ungläubiges Erstaunen auf sein Gesicht. „Paul“, stammelt er, „du meinst Paul könnte Artus vergiftet haben, um mich zu treffen. Oh Gott, wenn das wahr wäre. Ich muss meinen Vater anrufen, sie sollen prüfen, ob Paul zu Hause oder in München ist oder gestern war.“
Er holt sein Handy raus, wählt hecktisch die Nummer seiner Eltern und nachdem sein Vater dran ist, spricht er den Verdacht aus. Sein Vater will das offensichtlich nicht glauben und so erzählt er von dem Brief an den Professor, den mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Torsten. Das scheint seinen Vater denn doch stutzig zu machen und er verspricht, sich nach Pauls Anwesenheit in den letzten Tagen zu erkundigen.
Nach dem das Gespräch zu Ende ist, sitzt Frank traurig und nachträglich neben mir, an mich gelehnt und von meinem Arm gehalten. „Ich habe Kaffee mitgebracht, komm, wir trinken mal davon“, sag ich und zieh in mit hoch, zum Tisch, wo ich vorhin alles abgestellt hatte.
Der Kaffe ist noch warm und so sitzen wir uns jetzt gegenüber und kauen lustlos auf dem Kuchen rum und trinken den Kaffee dazu. Frank ist wohl mit den Gedanken bei dem Hund, jedenfalls spricht er im Moment nicht und sein Blick ist auf die Tischplatte gerichtet. Wieder stehlen sich ein paar Tränen aus seinen Augenwinkeln und laufen ungehindert über seine Wangen, um dann auf den Tisch zu tropfen.
Es tut mir weh, ihn so traurig zu sehen und nach dem Kaffee und Kuchen alle sind, steh ich auf, nehm ihn in den Arm und schiebe ihn wieder zum Bett. Eng an mich gekuschelt schluchzt er ab und zu auf und gibt sich ganz meinen Streicheleinheiten hin. Wir liegen still bei einander und irgendwann ist er in seinem Leid eingeschlafen. Ich liege ruhig, ihn weiter streichelnd und denke über die Situation nach, Wenn Paul den Hund vergiftet hat, wie geht es dann weiter? Nach der Aktion mit dem Brief jetzt die Sache mit dem Hund. Wenn das Paul war, dann ist der doch krank im Kopf, dann muss man ja mit allem rechnen. Irgendwann bin ich auch eingeschlafen.
Ich werde wach, weil Frank sich auf gesetzt hat. Sein Handy hat geklingelt und es ist sein Vater, der anruft. Paul war tatsächlich die drei letzten Tage nicht in München, sondern zu Hause. Franks Vater sagt weiter, dass er eine Obduktion veranlasst hat, um feststellen zu lassen, mit welcher Art Gift der Hund umgebracht worden ist.
Das Ergebnis dürfte so in drei Tage etwa vorliegen. Er hat auch Anzeige gegen Unbekannt gemacht und die Polizei wird ermitteln. Einen Verdacht Paul gegenüber hat er dort geäußert, mit Begründung und er hat auch von dem Brief erzählt, den Frank nun unbedingt nach Hause zur dortigen Polizei bringen muss.
Ebenfalls soll er dort Angaben machen, wie das war mit dem Brief und der Professor wird ebenfalls einen Anruf der Polizei bekommen, damit er zu dem Brief gehört werden kann. Für Frank bedeutet das, dass er morgen Mittag nach der Schicht nach Hause fahren muss. Sein Vater will ihn abholen und am Abend auch wieder bringen.
„Komm“, sag ich, „ wir gehen rüber, mein Abendbrot essen und uns ein bisschen mit Fernsehen ablenken. Nach Sex steht mir und dir wohl auch der Kopf im Moment nicht und ich frage mich, was dieser Idiot Paul als Nächstes vorhat. So langsam bekomme ich Angst, dass der noch ganz andere Sachen vor hat.“
Wir machen uns fertig und gehen rüber ins Haupthaus, auf unser Krankenzimmer, wo Torsten beim Fernsehen ist. Der Kleine merkt sofort, das was nicht stimmt, der ist so sensibel, das ich mich immer wieder wundern muss, was sein Gespür für Stimmungen angeht, „Was hat euch denn die Petersilie verhagelt, hat man euch gestört bei irgendwas?“, fragt er.
Frank schüttelt nur traurig den Kopf, also erzähle ich Torsten, was passiert ist. Sichtlich geschockt lauscht er meiner Schilderung der Geschichte mit Franks Hund und unserer Vermutung, Paul betreffend. „Wenn das stimmt das der das war, dann gehört der in die Klapse, der hat sich ja neulich schon aufgespielt wie ein Psychopath“, schimpft er.
„Das tut mir sehr leid mit deinem Hund, Frank“, sagt er, sichtlich bewegt und in diesem Moment wird er mir noch mehr zum Freund, als er es trotz oder gerade wegen seiner großen Klappe eh schon ist, Er drückt Franks Hand und streichelt tröstend über dessen Arm. „Lass uns ein wenig Fernsehen gucken, vielleicht lenkt uns das ein bisschen ab“, sag ich und schiebe Frank zu meinem Bett.
Ich lege mich aufs Bett und ziehe Frank zu mir heran, lege einen Arm um ihn und bette seinen Kopf auf meiner Brust. Tröstend kraule ich seine Haare hinten im Nacken und hauche kleine Küsse auf sein Ohr. Es tut mir sehr weh, ihn so leiden zu sehen und unterschwellig ist da auch die Angst, dass der Spuk mit Paul noch nicht zu Ende ist.
Sergej
Mein Jerome, eng an ihn geschmiegt, habe ich den Worten und Erklärungen seiner Mutter gelauscht und sein Blick in meine Augen jetzt zum Schluss, als meine Mutter von der Liebe spricht, der sagt alles, alles über unsere Liebe und noch viel mehr, er ist auch verheißungsvoll, was unsere nähere Zukunft angeht.
Da denk ich besser jetzt nicht weiter drüber nach und schau zurück zu meiner Mama, die nun mit Frau Remmers spricht. Jeromes Mutter sagt: „Also, ich finde, nachdem unsere Jungs nun glücklich verliebt wieder auf dem Boden der Tatsache „Leben“ angekommen sind, sollten wir zunächst mal dem distanzierten „Sie“ den Rücken kehren.
Ich heiße eigentlich Elisabeth, Freifrau von Salmuth, werde aber zu Hause, und darauf lege ich großen Wert, kurz und schmerzlos Lis genannt. Der ganze Adelsklimbim ist verstaubt und überaltert und hat für mich keine Bedeutung. Von Euch möchte ich auch so, einfach Lis genannt werden. Das gilt ab sofort natürlich auch für dich, Sergej, Frau Remmers möchte ich nicht hören.“
„Ich heiße Waltraud“, sagt nun meine Mutter und lächelt dabei, „gerufen wurde ich immer Wally und wenn ihr wollt, könnt ihr mich auch so nennen. Mein Mann tut das auch immer und meine Eltern auch. Es freut mich, wenn ihr beiden euch wieder einig seid darüber, wie es in der Zukunft laufen soll zwischen Euch.
Ihr müsst euch halt einfach nicht durch die Umstände der unterschiedlichen sozialen Herkunft stören lassen. Hier wird es sein wie früher für dich, Sergej und Jerome muss unsere Welt akzeptieren, wenn er hier ist und du, Sergej, musst die Welt in Jeromes Elternhaus akzeptieren und ich denke, das kriegt ihr beide hin, wenn ihr euch wirklich liebt.
Wichtig in meinem Leben war es immer, Fragen dann zu klären, wenn sie auftreten. Schiebt nichts auf die lange Bank, das sich zwischen Euch stellen könnte, sagt was ihr wollt und hört zu, was der andere will und wenn sich das arg unterscheidet, dann sucht nach einer Lösung. Gebt Problemen keinen Platz zwischen Euch, dann klappt es auch mit dem Zusammenleben. So ist es hier immer gelaufen und dein Vater, Sergej und ich, wir lieben uns immer noch sehr.“
„Mama, du hast ja recht und auch Frau Re…, ich meine Lis auch. Es ist halt alles so neu für mich“, sage ich , „ eine erste richtige Beziehung, die dann mit einem Jungen, der dazu noch aus sozialen Verhältnissen stammt, die meine Vorstellungen vom „Reich sein“ bei weitem in den Schatten stellen, Gefühle in einer Intensität, die ich vorher noch nie erlebt, ja , die ich gar nicht für möglich gehalten habe, das alles ist oder besser war für mich so überwältigend, das ich total überfordert war.
Meine Flucht war keine Flucht vor Jerome, oh nein, ich bin vor dem Gefühl, überfahren zu werden, davongelaufen, vor der Angst, vielleicht morgen nicht mehr ich selbst zu sein, das war es, was mich veranlasst hat, abzuhauen, zu meiner Mama zu rennen, die in der Vergangenheit immer einen Rat oder eine Lösung für mich hatte.“
Jerome zieht mich noch fester an sich und als ich ihn anschaue, küsst er mich zärtlich auf den Mund. Seine Augen strahlen, tauchen tief in meine ein und ich vergesse alles um mich herum. Immer tiefer wird der Kuss und nur ihn spüre ich, alles andere ist weit weg. Mein Herz klopft wild, für ihn, für meinen Schatz, der mir einfach alles bedeutet, der jetzt der Mittelpunkt meines Lebens geworden ist.
Torsten
Frank ist echt fertig, nach der Aktion, die da abgelaufen ist, ist das ja auch kein Wunder. Ole kümmert sich rührend um ihn, hält ihn im Arm und streichelt ihn. Wenn ich mich mal verliebe, möchte ich auch so zurück geliebt werden, das sieht man förmlich, wie die beiden sich mögen.
Und echt, es stört mich nicht, das beide Männer sind, so mit Pimmel und so, bei so viel Liebe spielt doch das Geschlecht eigentlich überhaupt keine Rolle, das ist das nächste, das ich meinem Vater mal verklickern werde. Ich jedenfalls könnte neidisch werden, wenn ich sehe, wie die zwei miteinander umgehen.
Oles Schwester, die geht mir schon gut ab, aber die ist ja jetzt mit dem Heiner zusammen und ich kann ihr nicht mal böse sein deswegen. Sie kennt mich ja gar nicht und weiß auch nicht, dass ich in sie verknallt bin und der Heiner, der sieht ja auch verdammt nicht schlecht aus, na ja, nicht gerade so gut wie ich, aber immerhin.
Dass mit dem Hund, das ist schon der Hammer, welcher Drecksack macht denn sowas und wenn der Paul das war, dann müsste man den doch in die Klapse sperren. Wer weiß, was der noch alles anstellen kann in seinem Wahn. Er ist doch selber schuld, das er fremd gepoppt hat, der Blödmann, hätte er Frank nicht betrogen, wär er jetzt nicht allein.
Jetzt hat der Frank den Ole und jetzt ist die Chose mit Paul Geschichte, fast jedenfalls, denn der Schwachmat will das wohl nicht akzeptieren, wie anders ist die Geschichte mit dem Brief und dem Hund sonst zu erklären. Hoffentlich gibt der jetzt endlich Ruhe.
So schlimm wie das ist mit dem Hund, aber wenn es das jetzt war und Ruhe einkehrt, dann ist der Hund vielleicht nicht umsonst gestorben. Wenn das aber weitergeht mit solchen Aktionen gegen Frank, das wäre übel. Hoffentlich kann man dem Paul was nachweisen und im Mal kräftig auf die Finger klopfen.
Im Fernsehen läuft gerade nichts Interessantes und ich mach ein bisschen die Augen zu und döse. Die beiden anderen dösen auch vor sich hin, wohl in Gedanken über ihre Zukunft. Ganz nebenbei fällt mir die Party ein am Samstag, hoffentlich fällt die jetzt nicht aus.
Das wäre schade, aber das kann ich ja nicht entscheiden. Obwohl, ein bisschen Ablenkung wäre wohl ganz gut für Frank jetzt, finde ich und bis Samstag sind ja auch noch ein paar Tage hin.
Jerome
„So“, sagt Waltraud und steht auf, dann mache ich mal was zum Abendbrot, gleich trudelt der Rest der Familie ein und dann wird in der Regel um achtzehn Uhr gegessen. Lis, du bleibst selbstverständlich hier, zum Essen, aber auch, um den, den Rest der Familie kennen zu lernen.
Wenn du willst, Lis, kannst du ja mit in die Küche kommen, bei uns gibt es unter der Woche abends warm, weil alle über Tag unterwegs sind“. Mama steht auch auf und sagt: „Gerne, ich kann dir ja ein bisschen zur Hand gehen, zu Hause darf ich ja nicht so oft in die Küche, Frau Gut guckt immer ganz vorwurfsvoll, wen ich auch mal was machen will dort.“
Die Beiden verschwinden, das Kaffeegeschirr mitnehmend in der Küche und bald hört man sie, wie sie gemeinsam in der Küche hantieren, lachen und reden, so, als würden sie sich schon ein bisschen länger kennen.
„Schatz“, sag ich zu Sergej, liebevoll über sein Haar streichend „Schatz, du musst mir versprechen, nie mehr so einfach fort zu rennen. Ich habe so gelitten, wusste im Moment nicht mehr weiter, habe dann zu Martin gesagt, das ich nicht mehr leben will, wenn du nicht wieder kommst und das habe ich in dem Moment auch ernst gemeint.
Ich habe dich mittlerweile so lieb, dass ich nicht mehr ohne dich leben will, ich will mein Leben mit dir teilen, für dich da sein und auch von dir aufgefangen werden, wenn ich falle. Du bist ein Teil, sogar der wichtigste Teil in meinem Leben geworden und ich will dich nie mehr hergeben müssen.“
Er dreht mein Gesicht zu sich hin, seine Lippen finden meine und wir küssen uns zart und innig. Zwei kleine Tränchen laufen seine Wangen herunter und als er sich von mir löst, sagt er leise: „Auch du bist der wichtigste Teil in meinem Leben geworden, so rasend schnell, das es kaum zu begreifen ist. Ich verspreche dir, dich nie wieder so allein stehen zu lassen wie ich das heute Mittag getan habe.“
Mit dem Daumen mache ich die Tränchen weg, küsse ihn erneut und er kommt mir zärtlich entgegen. Stimmen im Flur lassen uns aufhören, uns gegenseitig zu küssen und zu streicheln. Wir setzten uns wieder normal neben einander und warten darauf, dass die anderen ins Zimmer kommen.
Zoran ist der Erste, der zur Türe herein kommt, die anderen folgen aber, bis auf Boris, der wohl noch zuerst sein Zimmer auf gesucht hat. Vielleicht kommt der auch später, der muss schon mal länger arbeiten, wenn viel los ist in der Firma. Es dauert nicht lange und alle haben sich im Wohnzimmer versammelt und Vanessa kommt gleich zwischen uns und strahlt uns abwechselnd an.
Alle haben sich einen Platz gesucht und es wird sich lebhaft unterhalten, den Weg in die Küche hat aber noch niemand gemacht. Zoran, nachdem er uns ausgiebig begrüßt hat, macht den Anfang und geht in die Küche, wohl um Waltraud zu begrüßen.
Dort wird es im ersten Moment etwas leiser, dann aber sind die Stimmen umso deutlicher zu hören und Vanessa erkennt zuerst, dass da eine fremde Stimme dabei ist. Sie rutscht sofort von der Couch zwischen uns und geht auf die Küche zu. Die Augen sind erwartungsvoll auf die Türe gerichtet und dann verschwindet sie in der Küche.
In der Küche wird es still und dann hör ich meine Mama, „Hallo, Süße, wer bist du denn“, und dann die Stimme der Kleinen: „ Ich bin Vanessa und wer bist du? Ich kenn dich aber gar nicht.“ „Ich bin Lis, die Mama von Jerome, Sergejs Freund“, hör ich Mama sagen. „Du bist aber eine schöne Mama“, sagt Vanessa und gibt Mama die Hand. „Du bist auch ein schönes Kind, Vanessa“, sagt Mama uns hebt die Kleine hoch auf ihren Arm.
„Also irgendwas ist in eurer Familie anders“, sagt Zoran, „Vanessa geht nie zu Fremden aber bei deinem Sohn und bei Dir ist das total anders. Sie ist sofort mit euch vertraut, lässt sich hochheben und sogar küssen, das ist neu bei ihr.“ Staunend sieht er Waltraud an, die zustimmend nickt. „Ja, es ist schon sehr auffällig, wie sie sich euch gegenüber verhält“, sagt Sergejs Mama.
„Sie spürt natürlich, das ihr sie mögt, also gern habt, so wie sie ist und mag euch wohl auch deswegen von Anfang an“, sagt Sergejs Mama und streicht ihrer Tochter über den Rücken, die immer noch auf Mamas Arm ist und beide Arme um Mamas Hals geschlungen hat. Ihr Kopf liegt auf Mamas Schulter und ihr Gesicht strahlt zufrieden.
Nun haben auch die anderen Geschwister gemerkt, dass noch jemand anders in der Küche ist und sie gehen neugierig näher. Nun begrüßen sich alle in der Küche, Waltraud stellt die Mädchen vor und Mama spricht, Vanessa immer noch auf dem Arm, mit den anderen Mädchen über dies und das, Schule und so weiter.
Jetzt geht die Wohnzimmertür nochmal auf und Boris kommt herein, schaut sich um und geht nach einem „Hallo, Jungs“ ebenfalls auf die Küche zu. Dort wird es langsam eng, trotzdem stellt Waltraud ihn vor und dann kommen alle wie auf Kommando zurück ins Wohnzimmer. Vanessa will runter von Mamas Arm.
Kaum steht sie auf dem Boden, kommt sie zur Couch und quetscht sich wieder zwischen uns. Waltraud sagt: „In zehn Minuten gibt es was zum Essen, Marianne und Bettina, deckt bitte mal den Tisch. Zoran, hol bitte mal eine Flasche Wein, du trinkst doch welchen, Lis, oder?“ „Ja, gern, wenn er trocken ist“, sagt Mama und Zoran macht sich auf den Weg, den Wein zu holen.
Die Mädchen decken den Tisch und als alles fertig ist, trägt Waltraud mit Hilfe von Boris das Essen auf. Boris stellt auch noch Cola und Wasser auf den Tisch und als Zoran mit dem Wein zurück kommt, nehmen alle um den großen Tisch Platz und fangen an zu essen.
Am Tisch geht es ähnlich zu, wie bei uns zu Hause, es wird geredet und gegessen und auch gelacht und die Geschwister erzählen von ihrem Tag. Zoran sagt Grüße von Opa und Oma und Boris will am Samstag zu Opa uns dort an seinem Roller basteln, den Opa für ihn besorgt hat.
Zum übernächsten Wochenende soll der Roller laufen, dann wollen Boris und seine Freunde eine größere Rollertour mit Zelten unternehmen. Er wird das gesamte Wochenende bei Opa und Oma verbringen. Sergej fragt mich, ob wir morgen auch mal nach Radebeul fahren zu seinem Opa.
Ich schau Mama an, will wissen, ob sie bleibt oder wieder zurückfliegt morgen. Wenn sie zurück fliegt, können wir zwei ja mit Martin nach Radebeul fahren. „Morgen früh um neun fliege ich zurück nach Bremen“, sagt Mama, „die Maschine wird morgen Nachmittag gebraucht, Papa muss mit zwei anderen Managern nach Oslo fliegen.“
„Gut, dann kann Martin uns, wenn er vom Flugplatz zurück kommt, ja nach Radebeuel fahren“, sag ich und schau Sergej lächelnd an. „Dann könnt ihr auch mal einen Blick auf meinen Roller werfen, der sieht jetzt schon echt geil aus“, meint Boris, „nur der Motor muss noch eingebaut werden, dabei hilft mir Opa am Samstag“.
Das Essen ist vorbei und die zwei Mädchen haben den Tisch abgeräumt. Boris ist auf sein Zimmer gegangen, das auch Sergejs Zimmer war, bevor er nach Bremerhaven gegangen ist. Sein Bett steht noch immer da und später will er mir das Zimmer auch mal zeigen. Boris will aber zuerst noch Aufgaben für die Berufsschule machen und da wollen wir ihn nicht stören.
Auch die beiden Mädchen gehen, nachdem sie aufgeräumt haben, auf ihr Zimmer. Bettina will runter ins Erdgeschoss zu ihrer Freundin und Marianne will sich umziehen. Wir, der Rest sitzen nun um den Wohnzimmertisch herum, erzählen dies und das und trinken einen trockenen Rotwein spanischer Herkunft und mir schmeckt der ganz gut.
Ich habe halt nicht so viel Erfahrung mit Wein, aber Mama schmeckt er offensichtlich auch. Zoran erzählt Anekdoten von seiner Arbeit, Mama erzählt von mir und Natascha, wie wir so aufgewachsen sind und auch von Opa und Frieda uns auch die eine oder andere Anekdote von Feierlichkeiten mit Adels und Co. Es wird viel gelacht und auch Marianne ist wieder zu uns gekommen.
Sie erkundigt sich dann bei Mama näher nah Natascha, die ja auch fünfzehn Jahre alt ist. Mama kramt in ihrer roten Tasche und holt einige Bilder heraus und zeigt sie rum. Sie hat von jedem Familienmitglied, also auch von Oma und Frieda eins dabei.
Das Bild von mir wurde vor dem Unfall aufgenommen und zeigt mich mit Bermudashorts und intakten Gliedmaßen und ein bisschen Wehmut überkommt mich schon bei dem Anblick. Sergej fühlt das und drückt unauffällig meine Hand, als wolle er sagen, das er mich so, wie ich jetzt bin noch viel lieber hat.
Mama kramt ihren I-Pod heraus und ruft zu Hause an. Papa uns Natascha sitzen gerade beim Abendbrot und Mama berichtet von ihrem Tag. Natascha freut sich und Papa auch, dass alles wieder in Ordnung ist und Papa schlägt vor, dass wir uns alle Mal treffen, so zu sagen zum Kennenlernen.
Papa regt an, die Familie Radic soll sich mal einen Termin aussuchen, so ein langes Wochenende, vielleicht an Vatertag oder Fronleichnam, das wären der zweite oder der dreiundzwanzigste Juni. Papa meint, wir könnten dann mit unserem Schiff ein paar Tage auf der Elbe schippern und uns mal richtig kennen lernen.
Sergej und ich könnten ja dann von Bremerhaven mit dem Schiff nach Hamburg und dann Elbeaufwärts nach Dresden fahren, so dass sie am ersten oder am zweiundzwanzigsten Juni abends in Dresden eintreffen werden, meint Papa. Mama meint, das wäre eine tolle Idee und wir werden nach her noch darüber reden.
Ich weiß ja nicht, ob Sergej da Urlaub machen kann, aber das kann man ja gleich nächste Woche abklären und auch Zoran muss ja sehen, wie sein Fahrplan ist und wann er frei machen kann, aber Papas Idee, auch die mit unserem Schiff, die ist einfach Klasse, finde ich.
Mama erklärt nun Papas Vorschlag, das Kennenlernen der beiden Familien mit einer Schiffstour zu verbinden, was die Mädchen natürlich direkt begeistert. Zoran und Waltraud finden die Idee auch gut, aber man muss natürlich erst mal für einen Urlaub in der Zeit sorgen. Dafür ist natürlich auch Boris gefragt, der ja auch zeitgleich Urlaub machen muss dann.
Vanessa wird von Waltraud geschickt, um Boris zu holen und die kleine wuselt gleich los. Es dauert nicht lang, da kommt Boris mit Vanessa auf dem Arm zurück und setzt sich zu uns auf die Couch. Seine Mutter informiert ihn über Papas Vorschlag, ein Kennen lern Wochenende auf unserem Schiff auf der Elbe zu verbringen, und sagt auch welches Datum sich am besten dafür eignet.
„Ich muss schauen, ob ich da Urlaub bekomme, das ist ja nur ein Freitag und ich denke, das wird schon klappen. Ich frage morgen mal den Meister, ob das klar geht“, sagt er zu seiner Mutter und Mama meint, wenn klar ist, das alle frei haben, dann können wir das genau planen. „Wie können ja mal regelmäßig miteinander skypen, Waltraud, dann bleiben wir in Verbindung und können alles regeln“, sagt Mama.
Die Zeit ist rum gegangen bei der Plauderei uns bevor wir nachher aufbrechen, will Sergej mir noch das Zimmer zeigen, dass er sich mit Boris geteilt hat. Als wir Richtung Zimmer gehen, folgt uns Vanessa wie selbstverständlich und greift sogar wieder nach meiner Hand.
Das Zimmer ist ungefähr achtzehn Quadratmeter groß und jetzt wohl von Boris etwas umgemodelt worden. Ansonsten ein typisches Jungenzimmer, hübsch eingerichtet und auch sehr jugendlich dekoriert. Fußballstars verschiedener Vereine hängen als Poster an den Wänden und nur noch wenige Kleinigkeiten deuten darauf hin, dass Sergej hier auch gewohnt hat.
Boris macht ein bisschen Musik an, angenehm zum Hören, aber nicht außergewöhnliches, Tote Hosen halt und auch Linkin Park. Wir bleiben nicht lang und Boris fragt noch ein bisschen nach unserem Schiff. Da der Rechner unter dem Schreibtisch an ist, frage ich: „Darf ich mal an deinen PC?“
„Klar, mach nur „, sagt er und ich rufe die Homepage von Papas Holding auf, weil dort ein paar Bilder sind von unserem Schiff, das ja auch noch an andere Nutzer vermietet wird, so mit Besatzung, versteht sich. Ich zeige den Beiden die Bilder und Boris und Sergej sind begeistert bei dem Gedanken, ein paar Tage nur mit diesem Schiff durch die Gegend zu fahren.
„Frag doch mal, ob du die ganze Woche Urlaub bekommst“, sag ich zu Boris, „ dann kannst du von Bremerhaven aus mit fahren, nach Hamburg und dann die ganze Elbe rauf bis nach Dresden. Dann lohnt sich das Ganze.“ „Das wäre cool, aber wie komme ich nach Bremerhaven, mit dem Zug?“ fragt er.
„Zum Beispiel“, sag ich, „ aber vielleicht schicken wir auch Kai oder Martin oder wir kommen einfach Samstags her, shoppen noch ein bisschen und fahren Sonntags mit dir wieder zurück. Das kriegen wir schon geregelt“, sag ich und nehme Vanessa wieder auf den Arm.
„Komm, Sergej, wir gehen noch mal rüber, wir müssen auch so langsam mal ins Hotel, Mama muss ja früh raus und ich muss Martin noch anrufen, er muss die Sachen für deine Geschwister mitbringen, die wir gekauft haben“, sag ich zu meinem Schatz und wir lassen Boris allein in seinem Zimmer zurück.
Die Mädchen sind mittlerweile wohl auch in ihrem Zimmer und Mama plaudert immer noch mit Sergejs Eltern. „Ich ruf mal Martin an, der soll her kommen, wie haben heute Morgen für die Mädchen noch ein paar Klamotten gekauft, weil Boris ja den Ball bekommen hat und die Mädchen nichts“, sag ich.
„Der kann dann herkommen und die Sachen mit bringen und dann fahren wir mal ins Hotel zurück“, fahre ich fort, „wir wollen ja morgen früh noch mit zum Flugplatz fahren und anschließend nach Radebeul zu Sergejs Großeltern.“
„OK“, sagt Mama, „ ruf an, und sag ihm, dass er kommen soll“. Ich greife zum Handy und bitte Martin, zu uns zu kommen und uns ab zu holen. „Bring die Tüten mit, die wir für die Mädchen gekauft haben“, sag ich zu ihm und beende danach das Gespräch
Sergej meint zu mir: „Wenn wir von Opa zurück kommen, kommen wir noch hier vorbei, Papa ist ja unterwegs und dann können wir noch ein bisschen planen mit Mama, was hältst du davon?“ „Klar , gerne. Das Hotel läuft nicht weg und wir haben ja Zeit bis Donnerstag“, sag ich, da können wir ja noch das ein oder andere unternehmen.“
„Vanessa hat am Mittwoch keine Schule, die Lehrer haben mal wieder pädagogischen Tag“, sagt Waltraud, „da könntet ihr doch mal mit ihr in den Zoo gehen, was haltet ihr davon?“ „Oh ja, “ sag ich, “ das wäre echt was. In den Zoo geh ich auch gern, vor allem war ich schon lange nicht mehr drin und hier soll ja ein ganz toller Zoo sein in Dresden“, sag ich begeistert und auch Sergej findet den Vorschlag gut. Martin ist früher oft mit mir in Zoos gegangen
„Wir können ja dann um neun Uhr vorbei kommen und Vanessa abholen und nach her gehen wir noch mit ihr zu Mac Donalds, da freut sie sich bestimmt“, sagt mein Schatz und fragt die Kleine: „Gehst du am Mittwoch mit Jerome und mir in den Zoo“? Sie strahlt ihn an und sagt: „Tiere gucken, Elefant und Giraffen und die Affen, jaaaa, ich freu mich“, und sie schlingt ihre Arme um ihn und drückt ihm einen dicken Kuss auf.
Er schaut sie an und sagt dann: „Jerome“, und schon werde ich umschlungen und geküsst, einfach süß, die Maus.
Bald darauf erscheint Martin, der jetzt auch zunächst einmal vorgestellt wird. Er hat die Tüten mitgebracht und Waltraud ruft die beiden Mädchen, die erwartungsvoll kommen. Sergej erzählt, dass wir heute Morgen shoppen waren und weil Boris den Ball mit den Autogrammen bekommen hat, hätten wir für alle Mädchen ein paar coole Kleider gekauft.
Nachdem die Tüten von Sergej verteilt worden sind, wird ausgepackt und die Laute, die dabei zu hören sind, zeigen uns, dass wir das Richtige ausgesucht haben. Die Mädels, auch Vanessa, sind begeistert und Sergej wird umarmt und geküsst, ich bekomme zunächst von Bettina und Marianne einen Händedruck, der aber, nach dem mich Vanessa geküsst hat, noch von je einem Kuss auf die Wange ergänzt wird.
Dass die Gesichtsfarbe der beiden Teenager etwas dunkler dabei wird, ist glaube ich doch selbstverständlich und so verschwinden auch beide schnell mit der neuen Garderobe in ihrem Zimmer. Ich gebe Waltraud die Kassenzettel, für den Fall, das was nicht passt. Sie wirft nur kurz einen Blick darauf und wirft Sergej einen verständnisvollen Blick zu.
Ich grinse und sage: „Waltraud, wir sind das so gewohnt, und es sagt nichts darüber aus, wie wir andere Menschen sehen, die das nicht so können. Denk an das, was du Sergej heute gesagt hast und gönne mir die Freude, zu schenken. Ihr dürft sowas nicht als Almosen ansehen sondern als ein Geschenk, das mit dem Herzen gekauft wurde, ganz egal, was es letztendlich gekostet hat“.
Vanessa hat die Schildchen an den Kleidern alle ab gefummelt und zieht sich ungeniert aus, um die neuen Sachen an zu probieren. Meine Mama hilft dabei und bald steht die Kleine in ihrem neuen Outfit da. Chic sieht sie aus und sie läuft in den Flur, wo der große Spiegel hängt. Zoran ist hinter her gegangen und hebt die Kleine hoch, so dass sie sich ganz sehen kann.
Nach dem die Kleidergeschichte erledigt ist, brechen wir auf. Wir verabschieden uns, von Zoran bis Donnerstag und von den anderen bis morgen und fahren dann mit Martin ins Hotel. Martin begleitet Mama noch bis zum Zimmer, wir beide verabschieden uns von beiden und suchen unsere Suite auf.
Mal sehen, was der Abend noch so bringt, wir hatten uns ja noch was versprochen und ich denke, das es noch ein heiß kuscheliger Abend wird und morgen früh das Bett absolut Jungfrauen oder besser gesagt unschuldsfrei ist.
Oben angekommen, werde ich schon hinter der Tür umarmt und regelrecht nieder geküsst. Wir sinken engumschlungen auf den Boden und ich kriege kaum Luft, so wie er mich küsst.
Als er nach lässt, flüstert er: „Bitte nimm mir das von heute Mittag nicht übel, ich war so durcheinander und es hat mir später so weh getan, wenn ich an deine Blicke gedacht habe, an deine Augen, mit denen du mich angeschaut hast. Der Schmerz und die Angst, ich wollte das nicht, wollte dir einfach nicht weh tun, verzeih mir.“
Ich schmuse über sein Gesicht, knabber ab seiner Lippen, necke seine Nasenspitze und küsse in auf die sich schließenden Augenlider. „Du bist mein Leben, mein Schatz“, sag ich, „ bist mein ein und alles geworden, mit dir will ich glücklich sein, Sergej, heute, morgen und wenn ich darf, den Rest meines Lebens. Lass mich bitte nie allein.“
„Ich lieb dich, Jerome, lieb dich so, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, mal jemanden so zu mögen. Ich werde dich, wenn es das Schicksal zulässt, nie mehr verlassen und ich hoffe, dass du mich auch nie verlässt. Jetzt möchte ich mit dir Baden und dann schauen, ob wir für deinen Bus einen Parkplatz finden in meiner Einbahnstraße.
So schnell bin ich glaube ich noch nie steif geworden. Die Vorstellung, jetzt richtig mit ihm zu poppen, nimmt mir fast den Atem und meine Hose ist so eng, das es schon weh tut. Er steht auf zieht mich hoch und schiebt mich zum Bett.
Dort steht der Rolli und in null, nix bin ich nackt. Mein Schwanz steht steil nach oben, erste Lusttropfen drängen sich nach draußen und auch seine Kleider finden sich schnell auf dem Boden wieder. Ich rolle ins Bad, drehe das Wasser auf und schmeiße einen Beutel Badesalz hinein.
Mit Schwung und Muskelkraft schwinge ich mich in die Wanne, während diese voll läuft. Sergej kommt nackt, mit einer Prachtlatte ins Bad und hat die Tüte dabei. Er legt die Sachen, Kondom und Gel auf den hinteren Wannenrand und geht dann zur Toilette. Ich liege im ansteigenden Wasser und spiele mit meinen Hoden, deren Sack im warmen Wasser wieder etwas länger geworden ist.
Sergej kommt und setzt sich zwischen meine Beine, so, wie ich gestern gesessen habe und wir beginnen damit uns überall zu befummeln und zu necken. Heiße Küsse in seinen Nacken und leichte Bisse in seine Schultern geilen mich noch weiter auf die Wanne ist jetzt voll genug und er dreht das Wasser ab.
Er kniet sich, so wie ich gestern und lockt mich mit geilem Blick: „Komm, Jerome, fick deinen Schatz, lieb mich richtig, ich will es wissen, wie es ist, wenn du in mir bist.“ Er reißt das Kondompäckchen auf, während ich mich etwas mühsam hinter ihn kniee.
Jetzt habe ich die richtige Position und er streift mir den Gummi drüber. Fast kommt es mir dabei und so lenke ich mich zunächst ab, in dem ich mich auf seinen Po konzentriere. Ein paarmal wasche ich noch durch die Ritze, bevor ich mich runter beuge und zuerst die strammen Halbkugeln mit Küssen übersähe.
Ich küsse mich immer weiter zur Mitte hin und als ich das erste Mal seinen Ring mit meiner Zunge berühre, stöhnt er laut auf: „ Oh Gott, was machst du mit mir, oh, bitte höre nicht auf. Boah, ist das gut“. Immer wieder stupst und leckt meine Zunge über sein Poloch und entlockt ihm geile Töne.
Nun nehme ich die Geltube, mache Gel auf seinen Po, suche die Mitte und drücke langsam meinen Finger in ihn hinein. Er versteift sich etwas, so dass ich anhalte und wieder Küsse auf seinen Po verteile. Als er sich an das Gefühl gewöhnt hat und wieder locker lässt, schiebe ich langsam weiter.
Vorsichtig und mit viel Gefühl fange ich an, den Ringmuskel zu dehnen, solange, bis Platz für einen zweiten Finger geworden ist. Nun spiele ich das Ganze mit zwei Fingern durch und die ersten Stöhner kommen aus seinem Mund. „OK?“ frage ich, vorsichtig weiter hineinschiebend und ein gepresstes „JA“ lässt mich weitermachen.
Nun Finger Nummer drei und nochmal Gel und dann ist es endlich soweit. Ich schiebe mich näher an ihn heran, ziehe meine Finger heraus uns schieb mich ein Stückchen in ihn. Sobald meine Eichel den Ring durchstoßen hat, drängt er sich gegen mich, schiebt seinen Po auf meinen Schwanz, bis meine gestutzten Haare seinen Po berühren.
Tief stöhnt er auf, gleitet vor um dann gleich wieder zurück zu stoßen. Ich stoße ein bisschen nach und greife nach seinen Hüften, halte ihn und übernehme wieder die Führung. Lang und tief schieb ich mich jetzt rein und raus, stöhne selber ein bisschen, so gut ist das. Sergej wird langsam lauter, sein Stöhnen macht mich an.
„Jaa“, stöhnt er jetzt immer wieder im Takt meiner Bewegungen und ich werde schneller und härter bei meinen Stößen. Immer und immer wieder schieb ich mich tief in ihn hinein, seinem Stöhnen lauschend, an seinen Tönen merkend, das es nicht mehr lange dauern kann, bis er kommt.
Längst reibt er seinen Schwanz im Takt meiner Stöße, stöhnt und seufzt und dann, dann kommt er. Rhythmisch zieht sich alles zusammen, ausreichend, um auch mich über die Schwelle zu tragen und ich komme, so wie noch nie vorher in meinem Leben, sinke stöhnend auf seinen Rücken, am Rande der Erschöpfung, einer Ohnmacht nahe.
So verharren wir bestimmt drei Minuten, bis die Orgasmen abgeklungen sind. Ich schmuse seine Haut im Nacken, setze kleine Küsschen nebeneinander, überall wo Haut ist. „Ich liebe dich mein Schatz, du machst mich so glücklich“, nuschel ich auf seine Haut, bevor ich mich von ihm löse und den Gummi entsorge.
Ich lass mich nach hinten in die Wanne gleiten und sage: „Komm zu mir, ich will mit dir schmusen, mein Glück“. Er legt sich zwischen meine Beine, legt seinen Kopf auf meine Brust und meine Hände verwöhnen seinen Bauch. So liegen wir, uns gegenseitig streichelnd, bis das Wasser kühl wird.
Mit geschrumpelter Haut, aber durch und durch glücklich verlassen wir die Wanne. Nach dem Abtrocknen krabbeln wir nackt unter die Decke und kuscheln uns aneinander und schlafen erschöpft und glücklich ein.
So, das war Teil 16. Ich hoffe, es hat gefallen, wenn ja , darf man ruhig was schreiben, wenn Nein natürlich auch.
Es grüßt euch, treue Leser der Niff
Mittwoch, 3. April 2013
Traumschiff Teil 15
Postet by niffnase
Sonntagnachmittags in Bremerhaven, Klinikum
Ole
Also im rausgehen denk ich, dass der Mann gar nicht so schlimm ist, wie Torsten immer gesagt hat, aber wer weiß, wie er abgeht, wenn ich jetzt weg bin. Meinen Besuch grüße ich erst mal alle mit Handschlag und auch mit einer Umarmung. Das geschieht gerade auf dem Flur, als Frank aus dem Stationszimmer kommt.
Der guckt im ersten Moment etwas geschockt, weil ich gerade Armin umarme. Ich ruf ihn sofort: „Frank, komm bitte mal her zu uns“, worauf er sich, immer noch etwas skeptisch guckend, zu uns hin bewegt.
„Leute“, sag ich, seine Hand ergreifend, „das ist Frank. Frank und ich sind seit ein paar Tagen fest zusammen. Wir lieben uns und ihr werdet euch wohl daran gewöhnen müssen, das wir, Frank und ich, wann immer möglich, zusammen auftreten, so wie Ihr das ja auch tut.“
Erstaunt gehen einige Augenbrauen nach oben, die Überraschung ist gelungen, nur Marie hat wohl schon etwas gewusst, wohl aber noch nichts zu Heiner gesagt. Gutes Schwesterchen, denk ich.
Nun stell ich Frank meine Freunde und meine Schwester vor und sage ihm auch, wie die miteinander verbandelt sind, Marie mit Heiner und Denise mit Armin. Heiner, Denise und Armin sind erstaunt, dass ich jetzt so plötzlich einen festen Freund habe und wollen natürlich wissen, wie das alles gelaufen ist.
Frank sagt: „Leute, ich habe leider Dienst und kann nicht mit euch runter gehen. Pause habe ich um sechszehn Uhr. Dann komm ich runter und es würde mich freuen, wenn ihr dann noch da wäret. Wir können uns ja dann ein bisschen beschnuppern, ich denke, dass wir uns in Zukunft ja doch des Öfteren begegnen. Also, dann bis nach her.“
Und schon geht er schnellen Schrittes den Gang entlang, aber nicht bevor er mir einen kurzen Schmatz auf den Mund gegeben hat. „Och, wie süß“, kann sich Denise nicht verkneifen, zu sagen und ich werde ein bisschen rot um die Nase. „Ab in die Cafeteria“, sag ich, „ihr platzt doch schon fast vor Neugier, wenn ich das richtig sehe“. Wir gehen zum Fahrstuhl und fahren nach unten.
In der Cafeteria ist viel Betrieb und nur mit Mühe und nach kurzer Wartezeit kriegen wir einen Tisch für uns vier. Es dauert auch etwas länger, bis eine Bedienung kommt und unsere Bestellung auf nimmt. In der Zwischenzeit werde ich mit Fragen gelöchert, was Frank und mich angeht und ich beantworte das meiste und erzähle, wie es so angefangen hat.
Selbstverständlich verschweige ich alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat und es werden auch diesbezüglich keine peinlichen Fragen gestellt. Das war übrigens zwischen uns schon immer so, das da keiner nachgefragt hat, ob da was sexuelles gelaufen ist. Dass Armin und ich im zarten Alter von dreizehn und auch mit vierzehn noch, ein paar Mal zusammen gewichst haben, weiß bis heute außer uns beiden niemand.
Auch was Denise und Armin miteinander machen, will ich nicht wissen und würde auch nie danach fragen. Bei Marie und Heiner macht mir der Gedanke, dass sie Sex miteinander haben könnten, eher Unbehagen. Das liegt wohl daran, dass sie meine Schwester ist und mit nicht ganz sechszehn Jahren auch noch arg jung. Wenn es aber dann doch so wäre, so würde es mich letztendlich auch nichts angehen.
„Ole, ich mach dir einen Vorschlag, meine Eltern sind weg übers nächste Wochenende“, sagt Armin plötzlich zu mir. „Wir machen am Samstag einfach, wenn du hier raus bist, eine Kennen lern Party für Frank, bei uns im Partykeller“, fährt er fort, „da kann er ja dann auch noch welche einladen, die er kennt, Freunde mein ich. So lernen wir uns alle zwanglos besser kennen.“
Die Idee gefällt mir und ich sage: „OK, ich rede mit ihm darüber, aber das wird er bestimmt mit machen. Jeder bringt was zu essen und zu trinken mit und dann schauen wir mal“ „Dürfen Heiner und ich auch kommen?“, fragt Marie. „Dumme Frage, nächste Frage“, grinst Armin.
„Was machen wir denn zum Essen? Also, Eure Mutter muss auf jeden Fall Nudelsalat machen“, sagt Armin. „Und Schwarzwälder“, sag ich, „ohne den geht das nicht mehr. Wir werden auch Torsten einladen, wenn er darf vom Arzt aus.“
Wir bekommen unsere Sachen, Kuchen und Kaffee und auch Cappuccino und verplaudern die Zeit. So steht dann plötzlich Frank am Tisch, mit Kaffee und einem Donut und setzt sich neben mich auf einen Stuhl, den er vom leeren Nachbartisch weg holt. Zuerst bekomm ich einen Kuss, bevor er in den Donut beißt.
„Zwanzig Minuten hab ich Zeit“, sagt er kauend und spült den Bissen mit Kaffee runter. „Wir wollen am nächsten Wochenende eine Kennen lern Party bei uns im Partykeller machen“, sagt Armin zu Frank, „was hälts du davon?“ „Echt? Das find ich aber Klasse von Euch, natürlich bin ich dabei. Was soll ich denn mitbringen?“, fragt er begeistert.
„Das weiß ich jetzt noch nicht, aber ich ruf Ole an, der kann dir dann Bescheid sagen“, meint Armin, „du kannst auch den ein oder anderen Freund mit bringen, wenn du willst. Dann hast du nicht nur Fremde um dich rum. Sag mir aber bitte früh genug Bescheid, wie viele mit dir kommen.“
Frank holt sein Handy raus, drückt kurz drauf rum und gibt es Armin. „Da, gib mal deine Nummer ein, wenn du willst, dann kannst du mich direkt anrufen“, sagt Frank, „die anderen, wenn sie wollen auch.“
Armin macht das und gibt dann das Handy an Denise weiter. So geht das Handy reihum und alle tragen ihre Nummer ein. „Jetzt klingel ich bei euch an, und ihr könnt meine Nummer speichern“, sagt Frank und fängt gleich mit Armin an. Zwei Minuten später haben alle die Nummern ausgetauscht und jeder kann nun jeden erreichen.
„Frank, ich find dich nett“, sagt Armin, „wir werden bestimmt schnell gute Freunde. Oles Freund ist auch immer mein Freund, versteht sich. Sei schön lieb zu ihm, er ist ein ganz, ganz Netter und wenn du ihm weh tust, bin ich böse mit dir und die anderen hier auch.“
„Ich habe nicht vor, ihm weh zu tun, dafür hab ich ihn schon viel zu gern“, sagt mein Schatz und kriegt auch gleich einen Kuss dafür. „So, meine Pause ist um. Später, Ole, muss ich dir noch was erzählen, wenn du wieder oben bist“, sagt er und steht auf. Er haucht mir noch schnell einen Kuss auf den Mund und rennt dann zum Aufzug.
„Der ist nett und ich glaube auch, das er gut zu uns passt“, sagt Denise und lächelt mich an, „unser Ole, jetzt hat es ihn auch erwischt. Ich find das toll und das das noch so ein Netter ist, das ist doch echt klasse.“
Um siebzehn Uhr verabschieden sie sich von mir und ich geh noch mit bis an den Parkplatz, um ihnen tschüss zu sagen. Es war ein schöner Nachmittag, der uns alle ein bisschen näher zusammen gebracht hat. Nach dem sie weg sind, geh ich hoch und jetzt wird auch bald das Abendessen kommen. Ob Torstens Besuch noch da ist? Schade, dass er nicht dabei war, das wäre bestimmt lustig gewesen.
Als ich ins Zimmer komme, sind seine Leute gerade im Aufbruch. Torsten sitzt im Rolli und will noch mit zum Aufzug fahren. Weil er immer noch eingeschränkt ist mit der Hand, biete ich meine Hilfe an. Wir haben das ja schon ausgiebig geübt und so geleiten wir den Besuch zum Fahrstuhl. Als sie sich voneinander verabschiedet haben, auch ich bekomme einen Handschlag von ihnen, fahren sie nach unten und wir beide fahren zum Zimmer zurück.
Ich helf ihm noch aufs Bett, immer drauf achtend, meine verletzte Hand nicht zu belasten und leg mich dann rüber auf mein Bett. „Also, ich fand deinen Vater jetzt nicht so schlimm, wie du das immer geschildert hast“, sag ich zu ihm. Er lacht, und murmelt was von Wunder. Dann beginnt er und erzählt alles was sein Vater heute Nachmittag gesagt und versprochen hat.
„Er hat wohl eingesehen, dass er auf dem besten Weg war, sich selbst zum Weltmeister aller Arschlöcher zu küren. Mama hat ihm jedenfalls mächtig eingeheizt, und sein Chef hat ihm gesagt, dass nur seine übernatürliche Fähigkeit, mit dem Bagger umzugehen, eine Entlassung als größtes Betriebsarschloch verhindert hat“, erzählt der Kleine und grinst diebisch dabei.
„ Mit dem Bagger ist der wirklich sau gut, sag ich dir. Die machen manchmal so irre Geschicklichkeitswetten, da gewinnt der fast immer haushoch“, erzählt er mir, „ einmal hat er einen Karton mit dreißig Eiern mit einem Greifer vom Boden aufgenommen und auf einen LKW gesetzt, ohne das ein Ei hin war. Sein Chef wollte schon mal, das er zu „Wetten dass“ geht mit dem Bagger.
Er plaudert munter weiter, ist richtig aufgedreht und erzählt noch ein paar amüsante, aber auch ein per sehr heftige Sachen von seinem Vater. Die Zeit geht schnell rum und dann steht Frank mit dem Essen da. Zwei Tabletts und einen dicken Kuss später ist er auch schon wieder draußen und wir zwei essen erst mal in Ruhe zu Abend.
Dabei erzähle ich Torsten von der geplanten Kennen lern Party und das wir ihn auch einladen, wenn er hier raus darf. Er freut sich riesig und will morgen bei der Visite gleich fragen, ob er denn Samstagabend beurlaubt wird. Wenn er sich gut anstrengt diese Woche bei der Krankengymnastik, werden sie ihn vielleicht lassen.
„Wer kommt denn alles auf diese Party“, will Torsten wissen. „Frank mal sicher, wen der noch einladen will aus seinem Bekanntenkreis, weiß ich nicht, dann Armin und seine Denise. Marie und Heiner werden auch kommen und vielleicht noch welche aus Armins Klasse, ich glaub aber eher nicht, und ich natürlich auch“, sag ich.
„Oh, deine Schwester kommt auch“, sagt er und schaut nachdenklich vor sich hin, „aber der Scheich kommt ja auch mit.“ Das klingt jetzt ein bisschen enttäuscht und ich muss grinsen, „Grins nicht, sie gefällt mir halt gut“, sagt er und klinkt etwas niedergeschlagen. „Sie ist halt mit Heiner zusammen, der gefällt ihr gut und Heiner ist ebenfalls ganz verrückt nach ihr“, sag ich zu ihm.
„Wenn man so frisch verliebt ist“, fahr ich fort, „dann hat man keinen Blick für andere, das kannst du dir doch denken. Da ist halt eben mal nichts drin für dich, Junge, das musst du akzeptieren“. „Ja, leider, aber vielleicht kommt meine Chance ja noch irgendwann“, sagt er und er klingt schon wieder etwas besser.
Beim Abräumen sagt Frank, das er in einer viertel Stunde mal noch kommt und uns beiden was erzählen und zeigen muss. Neugierig lässt er uns im Zimmer zurück. Mir fällt nichts ein, was er uns denn noch sagen müsste, also bleibt nur Abwarten übrig.
Allzu lange werden wir dann doch nicht auf die Folter gespannt. Nach gut zehn Minuten kommt er wieder, einen Brief in der Hand und setzt sich auf einen Stuhl, den er zwischen unsere Betten gestellt hat. Dann erzählt er, wie der Chefarzt in gerufen hat und hat ihm dieses Schreiben vorgelesen.
Er liest den Inhalt vor und mir und auch Torsten steht ungläubiges Staunen im Gesicht. „Das ist ja voll der Hammer“, entrüstet sich Torsten, „wer kann denn so link sein und so was behaupten?“ „Paul“, kommt die Antwort von mir und meine Stimme ist gedrückt wie meine Stimmung. „Das kann nur von Paul kommen, Franks Ex Freund“, sag ich leise, „ der ist offensichtlich zu allem fähig.
„Das habe ich auch dem Chef gesagt und auch, das er euch ja unabhängig voneinander fragen kann, ob das stimmt“, sagt Frank, „aber er hat mir auch so geglaubt, dass das eine Verleumdung übelster Art ist. Ich werde Pauls Eltern einen Brief schreiben und eine Kopie von dem Schreiben hier bei legen.“
„Ich hoffe nur, dass der jetzt endlich mal Ruhe gibt, der Spinner. So langsam krieg ich schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl. Hoffentlich kommt da nicht noch irgend ein Scheiß hinter her“, sag ich bedrückt. Ich habe echt so ein ungutes Gefühl, wenn ich an diesen Arsch denke.
„Ich denke, wenn ich seinen Eltern geschrieben habe, dann ist endlich Schluss mit den Zicken, dann ist Ruh. Sein Vater ist sehr auf einen tadellosen Ruf bedacht, der wird das unterbinden“, meint Frank. „Ich hoffe, du hast recht, der ist doch nicht mehr ganz fix im Kopp“, meint Torsten, sichtlich erbost, „sowas zu behaupten, wo ich doch gar nicht schwul bin. So ein Schüttler, und dann dir sowas zu unterstellen, echt krass, der Vogel“
„Ich hoffe, dass er sich nicht mehr hier blicken lässt, ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn er plötzlich vor mir stehen würde“, sagt Frank nachdenklich. Er faltet den Briefbogen und steckt ihn ins Kuvert zurück. „Der Vater meines Zimmerkollegen ist Anwalt, der soll mal seinen Vater fragen, was ich da machen soll“, meint Frank und geht Richtung Ausgang, nach dem er mich geküsst hat.
„Wenn ich Schluss habe, komm ich noch ein bisschen her, aber nicht so lange. Morgen habe ich nochmal Früh und da muss ich bei Zeiten ins Bett. Es war ja auch ein sehr anstrengender Tag“, sagt er lachend in meine Richtung und Torsten fängt auch an zu lachen. Ich, ich werde natürlich wieder rot, die Klemmschwester, die ich bin. Letztendlich lache ich aber einfach mit.
Viertel nach Acht, die Glotze läuft, da kommt Frank und schmust noch eine halbe Stunde mit mir. Dann bringe ich ihn noch bis an den Ausgang. Nach dem wir noch ein bisschen geknutscht haben draußen vor der Tür im Dunkeln, geht er zu seinem Zimmer und ich wieder hoch.
Auch ich bin jetzt gut müde und leg mich, nachdem ich mich gewaschen und die Zähne geputzt habe, direkt zum Schlafen. Auch Torsten ist müde und macht die Glotze aus. „Schlaf gut, Ole, gute Nacht“, wünscht er und ich wünsche ihm auch schöne Träume. Dann schlafen wir.
Montagmorgen
Ole
Bereits fünfzehn Minuten vor der normalen Weckzeit kommt Frank, weckt mich lieb und sagt: „Aufstehen, mein Schatz, geh duschen und mach dich fertig, um sieben kommt der Krankenwagen, der dich zur Schule bringt. Ich hoffe, du hast alles, was du brauchst, hier.“ „Guten Morgen, mein Großer“, nuschel ich, noch im Halbschlaf, bevor mich seine Lippen ab schmusen und küssen.
„Oh, warum muss ich nur so früh aufstehen“, murmel ich, „ ich will nicht“, Seine Hand kriecht unter die Decke, fasst mich, na wo wohl, genau da und er meint leise: „Einer ist da aber schon sehr wach, komm mit ins Bad.“ Ich werde ein bisschen rot, schau zu Torsten hinüber, aber der schläft noch fest. „Komm, zehn Minuten hab ich noch Zeit, dann muss ich mit Hugo wecken gehen“, flüstert er.
Wir gehen ins Bad, er schließt die Tür und setzt sich, mich mitziehend, auf den Toilettendeckel. Er schiebt meine Hose runter und fasst mich an, schiebt die Vorhaut zurück und lässt meine Eichel in seinem Mund verschwinden. Ich stöhne unterdrückt, schieb mich ihm entgegen und er beginnt mich, zu verwöhnen.
Eine Hand an meinem Schwanz, eine auf meinem Po, gibt er mir einen Blowup, das ich alle Engel singen höre. Es dauert nicht lang, da komm ich vehement und er schluckt alles einfach runter. Meine Beine zittern und er hält mich nun, beide Hände auf meinem Hintern, bis ich wieder einigermaßen bei mir bin.
„Ich wollte, dass du heute Morgen ganz entspannt den Rest deines Abis schreiben kannst. Heute Nachmittag, wenn ich frei habe, gehen wir zu mir, mein Zimmerkollege hat Mittagschicht. Sturmfrei wie gestern Morgen“, sagt er lüstern. Ich küsse ihn, schmecke noch einen Rest von mir, schmuse ihn an. „Ich liebe dich so“, sag ich und küsse ihn erneut.
„So, jetzt dusch dich und zieh dich an, damit du noch frühstücken kannst, bevor das Auto kommt. Ich schaue vorher noch mal rein und sag dir Tschüss“, sagt er und schiebt mich zur Dusche. Noch ein Kuss, dann geht er raus, und weckt auch gleich Torsten. Kurz darauf kommt auch Hugo zum Bettenmachen.
Ich dusche zügig und trockne mich ab. Mit dem Handtuch um die Hüften geh ich ins Zimmer und an meinen Schrank. Torsten meinen Hintern zuwendend, ziehe ich meine Unterwäsche an. „Eben habe ich geträumt, der Frank hätte dich im Bad vernascht und du hast laut gestöhnt. Soweit ist das schon mit mir gekommen, vor lauter Schwulen um mich rum, das ich so Träume habe“, sagt er.
Ich schaue über die Schulter zu ihm, stelle fest, dass er das wohl so meint, wie er es gesagt hat. Er hat also von unserer Aktion nix mitbekommen. Ich muss innerlich wiehern, wenn du wüsstest, mein Freundchen. „Was du für Träume hast, Kleiner, da können doch Frank und ich nichts dafür. Das ist deine Fantasie, die dir das vorgaukelt, sowas würden wir nie tun“, sag ich und grinse in nun frech an.
Wenn ich das nach her Frank erzähle, der kringelt sich vor Lachen. Wir frühstücken und ich packe danach alles, was ich in der Schule brauch, in eine Tasche. Jetzt muss nur noch der Fahrer kommen, dann geht’s los. Entspannt und glücklich, wie ich bin und mit Aussicht auf einen schönen Nachmittag schau ich den Klausuren absolut locker entgegen.
Bevor der Fahrer kommt, kommt jedoch der Doktor Morbach ins Zimmer. „Ole, kannst du mir bitte die Adresse deines Onkels geben“, fragt er mich. Ich schau in an, nicke und sage: „Ja, das kann ich tun und auch die Handy Nummer, aber ich will schon wissen, woher sie ihn kennen und was sie von ihm wollen.“ „Komm mit raus“, sagt er mit Blick auf Torsten und dreht sich zur Tür, „dein Fahrer kommt eh jeden Moment“.
Auf dem Flur bleibt er stehen und sagt: „Dein Onkel und ich, wir waren mal sehr eng befreundet, bis er angeheuert hat und ich in ein Klinikum nach München gegangen bin. Ich würde ihn sehr gern einmal wiedersehn und wenn möglich, unsere damalige Freundschaft wieder aufleben lassen. Seit ich ihn da im Fernsehen gesehen habe, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf“.
„Ich hoffe, dass er mir das nicht verübeln wird, dass ich seine Daten an sie weitergebe. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass sie das ehrlich meinen und das sie ihn früher wirklich gekannt haben“, sag ich und hole mein Handy raus, „ich gebe ihnen die Nummer seines Diensthandys, dann kann Onkel Jo selber entscheiden, ob er ihnen noch die anderen Daten gibt.“
Dr. Morbach gibt die von mir gezeigte Nummer in sein Handy ein. „Danke, Ole, das bedeutet mir sehr viel und du hast mir nicht umsonst vertraut“, sagt er. „Ich schicke Onkel Jo jetzt eine SMS, das ich ihnen die Nummer gegeben habe, ist das OK?“, sag ich zu dem Doktor. „Ja, sicher ist das OK, wenn er nicht mit mir reden möchte, wird er mir das schon sagen“, sagt Doktor Morbach.
„Er wird bestimmt erst mal sehr überrascht sein, von mir zu hören, mal sehen, was er sagt“, fährt er fort. „Vielleicht erzählt er dir ja auch, was uns miteinander verbindet oder besser verbunden hat. Wenn ich jetzt keine Verbindung zu ihm aufnehme, werde ich das ein Leben lang bereuen und das will ich echt nicht.“ Ich muss jetzt gerade sehr intensiv an Onkel Jo denken, wo er wohl gerade rum schippert?.
Der Fahrer des Krankenwagens, der mich zur Schule fährt, ist gekommen und ich verabschiede mich von Doktor Morbach. Es wird Zeit, ich darf auf keinen Fall zu spät kommen. Es ist Berufsverkehr, aber wir schaffen es trotzdem pünktlich. „Notfalls hätte ich mal kurz das Martinshorn angemacht“, lacht der Fahrer und ich muss mit lachen bei dem Gedanken, mit Tatütata in die Schule zu kommen.
Als ich die Klasse betrete, werde ich direkt von einigen Mitschülern mit Hallo begrüßt. Einige erkundigen sich nach meinem Befinden und ich erzähle, dass ich noch einmal operiert werden musste und deshalb noch im Krankenhaus bin.
Paul, unser Klassenproll, quakt auch gleich wieder drauf los: „Und, Streber, haste dir mal zwei Wochen die Eier gedrückt, oder was“. „Drücken lassen, Paul, drücken lassen. Aber das machst du ja immer noch selber“, geb ich schlagfertig zurück. „Boah, Alter, pass bloß auf und außerdem hasse gar keine Tussi, oder hat dir der Pfleger an de Nüsse gespielt, bisse ne Schwuppe?“
„Diesmal ist es der Zivi, Paul, der ist jünger und kann auch besser blasen“, sag ich und jetzt hab ich die Lacher endgültig auf meiner Seite. Keiner nimmt das für Ernst und mitten im Gelächter kommt der Lehrer.
„Guten Morgen, ich hoffe, dass ihre Fröhlichkeit trotz der jetzt anstehenden Klausuren die Stunde überdauert. Nehmen sie ihre Plätze ein und lassen sie alle Sachen von ihren Tischen verschwinden“, sagt er laut und unmissverständlich, „wer abschreibt, es versucht oder unerlaubte Hilfsmittel benutzt, wird unweigerlich disqualifiziert und des Feldes verwiesen“.
Spätestens jetzt weiß wohl jeder, das er als Zweitfach Sport hat, oder? Jetzt verteilt er die Blätter, die wieder unterschiedlich sind, so dass ein Abschreiben schon fast da durch unmöglich wird. In den Nebenfächern, denk ich, wird das auch nur ein Dummkopf machen, weil der, der erwischt wird, sein Abi noch mal machen kann. Wer will das schon wegen einem Nebenfach riskieren. Das wird nur den Schnitt ein wenig verändern, wenn man nicht gerade eine sechs schreibt.
Nach dem Verteilen der Unterlagen tritt dann auch schnell Ruhe ein und alle starren konzentriert auf ihre Unterlagen. Neunzig Minuten später ist der erste Teil für heute erledigt. Das Lernen des Stoffes zwischendurch im Krankenhaus hat sich gelohnt, ich hatte keine Probleme und bestimmt eine Note zwei oder besser.
Pause, wir stehen auf dem Schulhof im Pulk und reden über die Klausur. Mike Schulz ein schlanker, schwarzhaariger Emu Boy, hat sich neben mich gestellt und stupst mich an. Ich dreh mich zu ihm schau ihn etwas erstaunt an und frag: „Was gibt’s, Mike?“ Er ist ein bisschen rot im Gesicht.
Er nimmt meinen Ärmel und zieht mich ein Stück aus dem Pulk heraus. „Stimmt das, was Paul eben gesagt hat? Bist du schwul?“, fragt er so, das nur ich das hören kann. „Was wäre wenn? Hast du ein Problem damit?“, frag ich zurück und werde auch ein bisschen rot. „Nee, hab ich nicht, nur dann wäre ich aber auch nicht mehr der Einzige in der Klasse“, sagt er leise und schaut mich an.
„Dann bist du jetzt nicht mehr der Einzige in der Klasse, aber tratsch das bitte nicht rum“, sag ich und lächle in ein bisschen an. „Guck dir mal die zwei da an, die machen gerade eine Schwuppenfraktion auf“, ruft Paul, der uns wohl hier ein bisschen abseits stehen sieht. „Halts Maul Paul“, sag ich, „selbst wenn es so wäre, geht es dich einen Scheißdreck an“, Mike ist knallrot geworden und guckt mich an.
„Bleib ruhig, Mike, irgendwann erfahren sie es doch, das wird sich nicht verhindern lassen. Hast du einen Freund?“, frag ich ihn. „Ja, hab ich, der ist ne Klasse unter uns, bei Armin in der Stufe, aber der ist nur zu Hause out, hier nicht“, sagt er. „Das war doch meine Klasse, dann müsste ich ihn ja kennen“, sag ich.
„Ja, kennste, Dirk isses, Dirk Schneider. Ihr konntet es doch eigentlich ganz gut miteinander, oder nicht?“, fragt er. „Dirk, echt jetzt, da haste aber einen ganz Netten geangelt, ja, wir waren ganz gut bekannt miteinander, der war auch schon auf Armins Party, früher mal“, sag ich zu Mike, „das freut mich für euch.“
„Und du? Hast du einen Freund?“, fragt er. „Ja, wie ich schon sagte“, sag ich grinsend, „Der Zivi aus dem Krankenhaus“. „Echt jetzt, oh man eh, wie cool ist dat denn“, sagt er, lacht, „und dat mit dem Blasen, war dat auch ernst?“
„Klar, was denkst du denn“, sag ich und lache ebenfalls los. „Ich schmeiß mich weg, wenn das der Paul wüsste, ha ha“, sagt er und lacht jetzt voll. Alles guckt natürlich jetzt zu uns aber Gott sei Dank erlöst uns die Pausenklingel vor weiteren dummen Fragen.
Wir gehen zusammen rein, bleiben etwas zurück und ich frage ihn: „Bist du out zu Hause?“ „Ja, schon seit zwei Jahren“, sagt er, „anfangs war es nicht so Doll, jetzt geht es aber und seit ich mit Dirk zusammen bin, ist es OK. Sie hatten Angst, sie hätten als einzige einen schwulen Sohn, seit sie aber Dirk kennen und mittlerweile auch seine Eltern, ist alles OK. Die stehen übrigens voll hinter Dirk und mir.“
„Das freut mich für Euch. Wir machen nächstes Wochenende eine Kennen lern Party bei Armin. Da kommt mein Schatzi auch. Ich sag Armin, er soll euch auch einladen, oder haste keinen Bock auf Party?“, frag ich ihn. „Doch, gerne, wenn Armin uns einlädt, kommen wir“, sagt er. Wir sind wieder in der Klasse und weil wir als letztes kommen, ist auch unser Proll wieder zu hören. „Bisschen flotter, die Damen, wir warten schon auf euch“, tönt der Idiot.
Mir reicht es jetzt, Angst habe ich noch nie gehabt vor ihm und so bau ich mich vor ihm auf: „Pass gut auf du Idiot, es reicht jetzt. Ob ich schwul bin oder nicht, das wird nicht länger ein Thema für dich sein. Ich habe keine Angst vor dir, merk dirs gut. Ich bin im Moment gehandicapt wegen meiner Hand, das ist dein Glück. Noch ein dummer Spruch, und wir sehen uns beim Direx, verlass dich drauf.“
Der nächste Lehrer ist unser Direx und der kommt gerade in die Klasse. „Gibt es Probleme, Herr Jensen“, fragt er mich. „Nein, Herr Direktor, im Moment nicht“, sag ich und gehe auf meinen Platz.
„Nehmen sie Platz, den Spruch mit dem Abschreiben und so weiter das spar ich mir, das haben sie ja heute schon gehört. Sie schreiben jetzt die Englisch Klausur, sie wissen um was es geht“, sagt er und beginnt mit der Verteilung der Blätter. Wieder kehrt Ruhe ein und alle bemühen sich um ein ordentliches Ergebnis.
Wiederum ist nach neunzig Minuten alles vorbei. Die Blätter werden eingesammelt und dann sind wir für heute entlassen. Jetzt muss ich den Fahrer, dessen Nummer ich bekommen habe heute Morgen, anrufen, damit er mich wieder abholen kommt. Mike hat sich mir angeschlossen und am Kiosk treffen wir Armin und Denise
Auch Dirk ist plötzlich da und Mike unterhält sich leise mit ihm. An Dirks Blicken sehe ich, das ich gerade ihr Gesprächsthema bin und so sage ich zu Armin: „Kannst du bitte die beiden da, Dirk und Mike, auch zur Party einladen?“ „Ja, warum nicht. Gibt es einen bestimmten Grund?“, fragt er. „Wir sind so zu sagen seelenverwandt und Dirk war ja auch früher schon öfter mal dabei“, sag ich.
„Gut“, sagt er, grinst wissend und tritt zu Dirk und Mike. „Wir machen am Samstag Kennen lern Party für Oles Freund. Ich lade euch ein, auch zu kommen, wenn ihr Lust habt. Sagt mir bis morgen Mittag Bescheid“, sagt er zu den beiden und wendet sich dann wieder zu mir. „Wie war es denn, hat alles geklappt?“, will er wissen. „Ja, ich bin mehr als zufrieden, also zweimal gut müssten gebongt sein“, sag ich und grinse.
„So, ich geh dann mal ans Tor, mein Krankenwagen kommt gleich und holt mich ab. Am Freitag werde ich wohl dann entlassen. Machts gut, bis zum nächsten Anruf, bis dann“, sag ich und geh los. Kurz darauf bin ich wieder auf dem Weg in die Klinik und freue mich auf den Nachmittag mit Frank.
Zum Mittagessen komme ich gerade richtig und anschließend überlege ich, ob ich noch mal duschen gehe. Ich denk es ist schon besser noch auf die Toilette zu gehen und dann zu duschen. Schließlich will ich ja nicht stinken im Vergnügungszentrum. Torsten hat natürlich darauf gewartet und grinst fett. „Sag lieber nichts, Kleiner, ich hatte heute schon homophobe Sprüche genug, es reicht“, sag ich.
„Ich bin nicht homophob und du bist sowie so mein Lieblingshomo“, sagt er und grinst wieder. „ich freu mich halt schon für dich über das mit Frank, aber mein Kopfkino, weißte, da läuft dann immer ein Porno ab. Das musst du schon entschuldigen. Schließlich bist du ja einer der Hauptdarsteller.“
„Oh, man, du bist doch kaputt im Kopf, oder was. Du stellst dir das echt vor, was Frank und ich dort so machen, so Sex mäßig mein ich?“, frag ich ihn jetzt ganz direkt, „dann würde ich mir an deiner Stelle mal Gedanken darüber machen, ob du nicht auch schwul bist, bei solchen Fantasien“ Jetzt guckt er mich blöd an.
Ich geh Duschen, das hier ist jetzt zu viel für heute, das mit dem Kopfkino. Der spinnt doch echt, der Kleine. Na ja, soll er doch fantasieren, was er will, das kann mir doch echt egal sein, solange er keine dummen Sprüche macht oder was rumerzählt, ich fass es nicht, „sein Lieblingshomo“
Dresden , Montagmorgen
Jerome
Als ich wach werde, herrscht gedämpftes Licht im Zimmer. Durch die Vorhänge dringt diffuses Sonnenlicht, hüllt alles in einen dunklen Grünton. Ich drehe mich vorsichtig auf den Rücken, wende den Kopf nach rechts und sehe meinen Schatz, zu mir gewandt, friedlich schlafen. Sein Gesicht ist entspannt, so schön und ebenmäßig, einfach wunderbar.
Ich drehe mich vorsichtig weiter um, schaue einfach nur in sein Gesicht, bin einfach nur glücklich. Mein Sergej, mein Schatz, liegt neben mir im Bett, nach dem gestern seine Familie erfahren hat, dass er schwul ist, schwul und mit mir zusammen. Es ist alles besser gelaufen, als wir es jemals gehofft haben und mein Schatz war so froh und ich natürlich auch.
Wenn ich erklären müsste, warum ich ihn so liebe, ich glaube, ich würde ins Stottern kommen. Ja, ich weiß, er sieht toll aus, seine Augen, seine Haare, sein Body, alles ist perfekt aus meiner Sicht. Sein Wesen, sein Charakter, alles was ich über und von ihm weiß, alles mag ich. Und jetzt auch seine Familie, seine Mutter, die ist einfach toll, seinen Vater, der so viel Leid erlebt hat, seine Geschwister, vor allem Vanessa, die mich so gern hat.
Und er, er mag mich, mag mich so, nimmt mich, wie ich bin, reich und verwöhnt, ohne Beine, mit meinen Fehlern und Launen, meine manchmal auftretende Dominanz. Liebt mich mit all meinen Fehlern, mit Chauffeur und Bodyguard, mit Max und Moritz, mit meiner Familie.
Er nimmt all die für ihn so neuen, ungewohnten und oft auch überzogenen Dinge und Tatsachen an und setzt sich damit auseinander, anstatt fort zu laufen. Er neidet nichts, sondern ist kritisch, aber offen und fair in seiner Beurteilung dessen, was so anders ist in meinem Leben.
Er muss mich wirklich lieb haben, das er sich mit all diesen für ihn so neuen Dingen auseinandersetzt, sich nicht blenden lässt vom Geld und vom Luxus, einfach Sergej geblieben ist, der, den ich in der Cafeteria kennengelernt habe, als einen liebenswerten, ehrlichen und offenen jungen Mann, der mich trotz meines nicht gerade einladenden Handicaps von zwei fehlenden Unterschenkeln ganz normal und freundlich, ja sogar betroffen angenommen hat.
Ich bin zu beneiden, mein ich jetzt, zu beneiden um ihn, um den Jungen, der mich liebt, der friedlich und ruhig neben mir schläft. Ich weiß nicht, ob es sowas wie einen Gott gibt, aber wenn, dann hat er nach der Scheiße mit meinem Unfall alles mehr als wieder gut gemacht, als er mir Sergej geschickt hat.
Ich muss ihn jetzt anfassen, seine Wange streicheln, will seine Haut an meiner spüren, sehne mich nach seiner Wärme, seinen Berührungen, nach seinen Blicken, die mir liebevoll folgen in meinen Bewegungen. Ich spüre seinen Herzschlag unter den Rippen, fahre leicht über seine Brust, mit den Fingern seine Warzen neckend.
Er schnieft kurz, fährt mit der Hand an seine Nase, kratzt sich leicht, niedlich sieht das aus, süß einfach. Die Lieder flattern als ich meinen Atem gegen sein Gesicht blase. Nach dem dritten Mal öffnet er verschlafen seine Augen. Erst verhangen, dann erkennend, wird sein Blick klarer und dann strahlend und er nuschelt: „Guten Morgen, mein Schatz“.
Langsam, verhalten, immer noch nicht ganz wach, kommen mir seine Lippen entgegen, reckt er seinen Kopf rüber zu mir und unsere Lippen treffen sich zu einem ersten eher noch zaghaften Kuss.
So, als würde ein Energieschub ausgelöst, kommt er mir jetzt ganz entgegen, schiebt den rechten Arm über mich, liegt halb auf meiner Brust und küsst mich dann richtig. Wach und flink dringt seine Zunge jetzt zwischen meine Lippen, taucht ein in meinen Mund, sucht und findet meine Zunge für ein verliebtes Spiel.
Meine Augen sind geschlossen, ich fühle mit allen meinen Sinnen, mein Herz schlägt schneller, alles ist so schön, so gut. Eine Gänsehaut überläuft meinen Körper, es kribbelt alles in mir, es macht mich an und meinen kleinen Jerome ganz groß. Da keine Decke mehr über mir liegt, bleibt es auch kein Geheimnis, das der Spargel in meiner Shorts reif ist und sein Blick, der das gerade einfängt, wird lüstern.
„Wir hatten ja eigentlich gestern noch was vor“, sagt er und wird rot, aber nur ein wenig. „Ja“, sag ich, „da war noch was, wenn ich richtig überlege“. Dabei grinse ich auch ein wenig lüstern.
„Wir wollten mal etwas von dem Inhalt der Tüte gebrauchen“, sage ich, „ich wollte, dass du mal richtig mit mir schläfst, weißt du, ich will endlich wissen, wie das ist, wenn du in mir steckst, wenn du mich fickst Sergej. Und wenn du es auch willst, dann tun wir das jetzt. Vorher gehen wir aber noch ins Bad, auf die Toilette und dann duschen.“
„Dann los“, sagt er, „auf was warten wir noch.“ Beim Aufstehen sehe ich, dass er auch schon eine Latte hat und er geht, ich fahre im Rolli, den Martin natürlich hier her gestellt hat, in das große Bad. „Sollen wir in die Wanne gehen, das wäre doch auch ganz lustig, oder?“ fragt er und deutet dabei auf das schöne große weiße Teil, das da echt einladend in die Ecke gebaut ist.
„Oh ja, gute Idee. Hier ist sowieso kein Sitz für Behinderte und ohne kann ich schlecht duschen“, sag ich und hiev mich auf die Toilette. Sergej dreht das Wasser auf und geht dann noch mal kurz raus. Nachdem ich fertig bin, mache ich mich sauber und rutsche wieder in den Rolli. Nach dem Abspülen versprühe ich noch mit der an der Wand hängenden kleinen Sprühflasche ein bisschen Lavendelduft.
Sergej kommt mit der Tüte zurück und hat auch noch zwei frische Shorts für nach her mitgebracht. Mittlerweile ist die Wanne voll und Sergej schüttet eine Tüte mit Badesalz ins Wasser.
Ich fahre den Rolli an die Wanne und lass mich hinein gleiten und Sergej zieht unterdessen seine Shorts aus. Dann setzt er sich hinter mich in die große Wanne. Er legt seine Arme um mich und zieht mich zwischen seine Beine, so dass ich mich nach hinten gegen ihn lehnen kann. Entspannt, bis auf unsere zwei Glieder, genießen wir das warme duftende Wasser und die erregende Nähe des nackten Anderen.
So liegen wir etwa zehn Minuten nur still und fühlen uns. Ich spüre seinen Herzschlag an meinem Rücken und er spürt meinen unter seinen Händen, die ruhig auf meiner Brust liegen. Ein stiller Moment, in einer entspannenden Umgebung, in denen stumme Signale unserer Liebe zwischen uns gesendet und empfangen werden.
Irgend wann dann, er zieht mich auf seinen Schoss, beginnen seine Hände, mich zu reizen, zu streicheln und zu necken und die Lust erwacht in uns beiden, vermehrt sich langsam aber stetig und auch meine Hände suchen jetzt seine Haut.
Überall da, wo ich sie in meiner Position erreichen kann, streichel ich sie. Kniee, Beine, ja auch den Poansatz kann ich streichelnd erreichen, während er sich langsam und zärtlich zu meinem Schwanz gestreichelt hat.
Er spielt mit meinen Hoden, krault den Sack, der im warmen Wasser gewachsen ist und kehrt immer wieder kurz zum Schwanz zurück, um diesem ein paar Streicheleinheiten zukommen zu lassen. Ich ziehe die Beine an, setze die Stümpfe vorsichtig zunächst, auf den Wannenboden, um Platz zu machen für seine meinen Po kosenden Finger.
Vorsichtig zunächst und wohl auch neugierig, befühlt er den Muskelring, der leicht behaart und durch das warme Wasser auch weich, auf mehr wartet. Immer wieder reibt er durch den Spalt, verharrt reibend in der Mitte und beginnt ein bisschen gegen den Ring zu drücken.
„Du musst mir sagen, wenn ich dir weh tu, mein Schatz“, nuschelt er in mein Ohr, denn längst liegt sein Kopf seitlich unter meinem Arm, den Spielchen seiner Finger im leicht grünlichen Wasser zuschauend.
Vorsichtig und auch etwas unsicher drückt er nun den Finger gegen den Eingang. Ich versuche, ganz locker und entspannt zu bleiben, als er langsam in mich eindringt. Es ist neu, neu weil er es macht, anders auch, als wenn man es selber probiert. Aufregend anders, weil man sich konzentriert auf das Gefühl, nicht selber noch seine Finger benutzen muss, eben nur fühlt.
Und es ist anders, weil er es ist, der es macht, er, der heute dort noch viel aktiver werden soll, er, dem ich heute meine Unschuld schenke, er, der mich heute das erste Mal richtig ficken soll und wenn es nach mir geht, soll er auch der einzige bleiben, der mich ficken soll für den Rest meines Lebens. „First Time“ ist heute, würden die Amis sagen.
Ich bin aufgeregt, erregt und wuschig und nervös, alles auf einmal und doch auch geil, so geil. Ich will, dass er es tut. „Bitte Schatz, hab keine Angst, ich sag schon wenn’s weh tut aber mach, steck deine Finger rein, mach mich locker, bitte, ich bin so geil“, sag ich, heiser vor Lust, von leisem Stöhnen begleitet.
Jetzt sind es endlich zwei Finger, die sich in mich schieben, mit leichten Drehbewegungen weiten sie den Muskel, der jetzt nur wenig Widerstand bietet, sich willig dehnt. Wohlig stöhn ich nun etwas lauter, es ziept ein bisschen, aber nicht ab törnend, nein, dass Geile überwiegt bei weitem.
„Mehr, bitte mehr“, stöhn ich und will mich ihm entgegen schieben. Die zweite Hand, an meinem Bauch, direkt über meinem Schwanz liegend, hält mich aber fest an ihn gedrückt. Endlich nimmt er den dritten Finger dazu, jetzt ziept es auch ein bisschen kräftiger. Das lässt aber wieder etwas nach, als sich der Ring noch weiter dehnt.
Tiefer schiebt er die Finger in mich und es schmerzt ein bisschen, aber ich lass es ihn nicht merken. Drehend weitet er mich und langsam wird es wieder besser. Um mich abzulenken, wichse ich meinen Schwanz, der gerade etwas schrumpft mit schnellen Bewegungen wieder hoch. Ich will es jetzt, will dass er mich nimmt. Ich sage, „Komm, nimm ein Gummi.“
Als er mich loslässt, rutsch ich ans untere Wannenende und richte mich auf meine Knie auf. Mein Po, der jetzt nicht mehr im Wasser ist, reckt sich ihm entgegen, lege den Kopf auf den Wannenrand. „Bitte Sergej, macht, ich will dich jetzt spüren.“ Seine Finger kommen wieder, kaltes Gel auf meinem Po verreibend, in meinem Loch, viel Gel.
Dann spüre ich ihn, seine Schwanzspitze, greife zwischen meinen Beinen durch und platziere sie an meinem Eingang. Es drückt ganz schön am Anfang und ich ziehe die Luft tief ein, als seine Eichel den ersten Ring überwindet, sich Platz macht, tiefer eindringt, so tief, das ich seine Haare an meinem Po spüre. Er ist jetzt ganz in mir, verharrt, lässt mir Zeit, mich zu gewöhnen.
Ich fühle mich voll ausgefüllt, der Schmerz lässt nach, wird weggeschoben von der Lust, der Lust auf mehr. Ich bewege mich langsam nach vorn, wieder zurück zwei, dreimal. Es ist gut, auch wenn es immer noch ziept. „Mach“, stöhn ich, kein bitte mehr, einfach „mach“! Und dann fängt er an, langsam zwar, aber tief und fast ganz raus und wieder ganz tief.
„Du bist so eng, man, das ist so geil, das halt ich nicht lang aus“, stöhnt er und stößt weiter rhythmisch lang und tief in mich. Immer wieder trifft er auf meinen Lustpunkt da drinnen in mir, auf die kleine Lustkastanie, die da drinnen sitzt, die Drüse, die alles so wahnsinnig gut macht, wenn er sie trifft.
Wir keuchen beide, er wird schneller und tief in mir, von der Drüse ausgehend, baut sich eine gewaltige Spannung auf, wächst fast ins Unerträgliche. Längst reibe ich mich selber, wie verrückt, merke das ich die Grenze überschreite, lass mich fallen in einen Orgasmus, der mich in ungeahnte Höhen fliegen lässt, bis es unter lautem Stöhnen in Schüben aus mir heraus in die Wanne schießt.
Sergej, ebenfalls laut stöhnend, ergießt sich zuckend und auf meinem Rücken liegend ins Kondom. Ich spüre die Spasmen in mir, bin glücklich und überwältigt von dem Gefühlten. Dass es so sein würde, hätte ich vorher nie geglaubt, so geil, galaktisch gut einfach. Ich zittere ein bisschen auf Grund der Heftigkeit, mit der die Gefühle über mich herein gebrochen sind.
„Ich liebe Dich, Sergej“, sag ich mit leiser, rauer Stimme. Seine Hände fahren an meinen Seiten auf und ab und er nuschelt auf meinen Rücken: „Ich liebe dich auch, Jerome, mehr, als alles andere. Noch nie habe ich jemanden so geliebt wie dich.“
Küsse breiten sich auf meinem Rücken aus, fast jeden Zentimeter bedeckt er damit, tiefe Wärme und Zufriedenheit, Glück breiten sich aus in mir, kribbeln durch meinen ganzen Körper. Einzig mein Po fühlt sich anders an, etwas gestresst aber nicht unangenehm. Der muss sich halt auch erst mal daran gewöhnen, dass Sergej jetzt öfter da zu Besuch kommt.
Ich lass mich jetzt wieder mit dem Po ins Wasser sinken, setze mich umständlich wieder hin und auch Sergej hat seine ursprüngliche Position hinter mir liegend wieder eingenommen. Beim Umsetzen fehlen sie schon, die Füße. Er greift unter meine Arme, hilft und zieht mich wieder auf seinen Schoss.
„War es schön für dich“, will er wissen, „oder hat es sehr weh getan, mein Schatz?“ „Es war nur am Anfang etwas unangenehm, hat geziept, ist ja auch nicht so verwunderlich“, sag ich und leg meinen Kopf neben seinen auf seine Schulter,
„Ist ja eigentlich immer eine Einbahnstraße gewesen und muss sich erst an den Gegenverkehr gewöhnen. Und wenn dann gleich beim ersten Mal so ein großer Bus kommt, dann wird’s hat ein bisschen eng“, sag ich leise an seinem Ohr und grinse dabei.
„Der Bus ist jetzt aber nur noch ein Kombi, sag ich lachend, nach dem ich gefühlt habe. Jetzt muss er auch lachen, beißt mir spielerisch ins Ohr und flüstert dann: „Heute Abend ist dein Bus dran, ich will das jetzt auch wissen, nur im Moment bin ich einfach groggy und ich will fit und hellwach sein, wenn es passiert“,
„Du musst jetzt aber nicht mit Gewalt“, sag ich, „fühl dich nur nicht gezwungen, nur weil ich es jetzt unbedingt wollte.“ „Ich will es einfach auch mal spüren, es war jetzt schon so gut, so als Bus und ich will nun auch wissen, wie es ist, Einbahnstraße zu sein“, sagt er grinsend und beißt mir zart ins Ohr.
„Ok, ich freu mich drauf. Lass uns jetzt raus gehen, frühstücken, ich hab Hunger“, sag ich und mit seiner Hilfe setze ich mich auf das dicke Handtuch, das Martin immer schon vorher in den Rolli legt.
Auch Sergej steht auf und nun sehe ich, dass momentan wirklich nur noch ein Kleinbus da ist, wo vorhin noch ein Doppeldecker war. So hat er sich wenigstens vorhin angefühlt, einfach nur geil.
Nachdem wir der Umgebung entsprechend angezogen sind, rufe ich Martin an, und sage ihm, dass wir jetzt Frühstücken wollen. Er sagt mir, dass er zu uns kommen will und gern mit uns zusammen frühstücken würde. „Dann, komm, ich bestelle“, sag ich, willst du Kaffee oder was anderes?“ „Kaffee“, tönt es aus dem Hörer und ich sag: „OK.“
Es ist halb Zehn und wir haben Hunger und ich rufe beim Zimmerservice an und bestelle dreimal ein Frühstück mit extra Kaffee und doppelt Brötchen. Martin kommt und sieht gut aus, wie immer, allerdings habe ich schon vor etlichen Monaten gesagt, das er normale Kleidung anziehen soll und nicht immer die uniformartige Dienstkleidung.
Die kann und muss er anziehen, wenn er Papa oder Mama fährt. Oma und Frieda ist es auch total egal, was Martin anzieht, wenn er sie kutschiert, aber er ist schon immer sehr ordentlich angezogen. Heute Morgen trägt er eine schwarze Jeans und ein langärmeliges Sweatshirt, ebenfalls schwarz mit einem dezenten Aufdruck von Hugo Boss.
Er sieht cool aus, als er gut gelaunt die Suite betritt, sich kurz umschaut und uns dann per Handschlag begrüßt. Ich mache das Radio an, suche einen coolen Sender und schon werden wir musikalisch berieselt. Es klopft und der Zimmerservice fährt einen Teewagen ins Zimmer, voll mit den leckeren Sachen, die ich bestellt habe
Nachdem der junge Mann, ein hübscher, den Tisch gedeckt hat, gebe ich ihm ein Trinkgeld. Er bedankt sich und sagt: „Rufen sie bitt an, wenn noch was fehlt“, und dann ist er auch schon wieder weg. Wir setzen uns an den Tisch und frühstücken, Musik im Hintergrund und wir überlegen und besprechen, wie der Tag heute denn so laufen soll.
Heute um vierzehn Uhr wollen wir ja bei Sergej zu Hause sein, aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit. Ich schlage vor, ein bisschen shoppen zu gehen, weil ich der Meinung bin, das Sergej dringend mal andere Unterwäsche braucht.
Die null acht fünfzehn Boxer aus dem Dreierpack finde ich echt nicht so prickelnd und auch Martin meint, das chic Unterwäsche schon sein muss. Mein Schatz ist ein bisschen rot geworden und sagt: „ Bisher habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht, ob mich andere Leute in meiner Unterwäsche sexy finden, aber das hat sich ja jetzt wohl auch anscheinend geändert.
Aber eins sag ich dir gleich, sowas wie so einen Jock Strap oder einen String, sowas zieh ich nicht an. Da käm ich mir echt blöd und nuttig vor.“ Ich muss lachen und auch Martin prustet fast seinen Kaffee über den Tisch. „Sergej, hast du bei mir schon solche Dinger gesehen?“, frag ich. „Nein, das würde mir auch an dir nicht gefallen“, sagt er, mit einem leichten Rotton um die Nase.
„Na siehste, dann will ich auch gar nicht, das du sowas anziehst. Aber die schlabbrigen Webboxer sind auch nicht das Wahre, das musst du doch zugeben“, sag ich, immer noch grinsend. „Also, früher, als ich noch zu Hause war, hat meine Mutter die Wäsche gekauft, möglichst kostengünstig, weil die ja eh fast nie einer zu Gesicht kriegt. Und seit ich in Bremerhaven bin, habe ich auch immer so wie Mama eingekauft, wie ich es gewohnt war. Billig und im Dreierpack.“
„Dann haben wir heute Morgen ja was vor, sag ich und greife nach einem zweiten Brötchen. Martin grinst vor sich, hin sagt dann ganz plötzlich: „Ich finde Euch richtig niedlich, das erinnert mich an die ersten Monate mit Kai. Kai war auch ein bisschen verklemmt, nicht offen schwul und auch manchmal ängstlich, wenn es darum ging, zu sich selbst zu stehen.
Aber du, Sergej, du bist auf einem guten Weg, du hast relativ schnell mit der Tatsache, schwul zu sein, abgeschlossen, was natürlich auch daran liegt, das ihr euch so gern habt. Versteckt euch nicht, wie viele andere das tun. Je mehr Schwule geoutet sind, umso größer ist die Chance auf eine Gleichbehandlung in der Gesellschaft.
Das soll natürlich nicht dazu führen, dass ihr jetzt überall in der Öffentlichkeit rum knutscht und rum macht, das wäre falsch und gefährlich. Aber in eurem alltäglichen Umfeld sollt ihr schon zeigen, das ihr zusammen gehört.“
„Danke, Martin, es war nicht so einfach, mit der Erkenntnis, sich plötzlich in einen Jungen verliebt zu haben, zu Recht zu kommen. Aber da Jerome mich auch liebt, ist das alles viel einfacher gewesen, als wenn ich mich in jemanden verliebt hätte, der gar nichts von mir will.“ Sagt Sergej jetzt und schaut mich dann ganz lieb an.
Als wir fertig gefrühstückt haben, will Sergej das Bett machen. „Lass mal“, sagt Martin, „ das macht der Service, holt euch was für drüber anzuziehen, es ist heute nicht so warm draußen und dann fahren wir in den Elbe Park zum shoppen. Das Auto steht auf dem Hotelparkplatz, das lass ich mal zum Eingang bringen, dann brauchen ja nicht weit zu laufen.“
Er ruft kurz an und sagt dann: „In fünf Minuten ist der Wagen da, wir gehen dann mal runter. Ich frag mal nach, ob es Nachrichten von deinem Vater gibt.“ Zusammen verlassen wir die Suite und gehen nach unten, diesmal über das Treppenhaus.
Martin geht noch kurz an die Rezeption und kommt mir einen Kuvert zurück. Es ist ein Kuvert mit Geld, Dreihundert Euro von Oma und Frieda, mit der Aufforderung, uns was Schönes zu kaufen. „Wie geht denn sowas“, frag ich Martin, „wie hat sie denn das gemacht, das hier von gestern auf heute so viel Geld hier ist?“
„Ich nehme an, das sie mit Kais Hilfe oder mit Hilfe deiner Familie online das Geld hierher gebucht hat und das Hotel zahlt das dann sofort aus“, erklärt Martin und auch Sergej nickt und meint: „Das kommt oft vor, in der Zeit, in der ich an der Rezeption war, ist das eigentlich fast täglich einmal vorgekommen, das Geld online ankam für irgend einen Gast.“
Ich steck das Geld ein, gewillt, das auch alles aus zu geben, für Sergej, für mich und für seine Geschwister werde ich auch noch eine Kleinigkeit kaufen. Mit dem Geld von Mama haben wir, Mac Donalds abgerechnet noch siebenhundertdreißig Euro und Martin hat ja auch noch die Karte von Mama dabei.
„Martin, hast du Mamas Kreditkarte dabei?“, frag ich ihn und als er das bestätigt, fragt Sergej grinsend und etwas erstaunt: „Was hast du denn vor, willst du ganz Dresden leerkaufen? Du hast doch eigentlich Geld genug dabei für ein bisschen Unterwäsche, oder langt das nicht dafür. Also ich muss meinen Schniedel nicht in Höschen stecken, die Hundert Euro kosten, da traut man sich ja nicht mehr, einen Furz zu lassen bei so teuren Dingern“,
Ich muss lachen und auch Martin kann es sich nicht verkneifen und so steigen wir lachend in das Auto, das ein Hotelbediensteter vor dem Ausgang bereit hält. Martin füttert den Navi und dann geht’s los, in den Elbe Park, wo etwa einhundert verschiedene Shops eigentlich fast alles bieten, was das Herz begehrt.
Es gibt viele Markenshops für Kleider, Schuhe und anderes mehr, aber auch Döner und Eisläden sind dort vorhanden, und in Erinnerung an unser erstes Shopping auch ein C&A. Es ist gar nicht mal so weit weg von Sergejs Elternhaus, da können wir nach dem shoppen dann auch von dort aus dahin fahren.
Montagmorgen, da ist nicht so viel Betrieb und so haben wir einen Parkplatz direkt in der Nähe des Haupteingangs. Auf geht’s, rein in das ziemlich große Center, wir gehen shoppen. Martin ist mutig und schließt sich uns an. Zuerst suchen wir nach Unterwäsche für meinen Schnuckel und es bedarf keiner allzu großen Überzeugungskraft, ein paar echt geile Teile zu kaufen.
Nach dem wir einen dieser anschmiegsamen Hipp Pants anprobiert haben, ich war mit in der Kabine, während Martin draußen aufpasst hat, ist mein Schatz überzeugt, dass das doch wesentlich geiler aussieht, wie eine Web Boxer von C&A im Dreierpack. Nach dieser Anprobe wären wir am liebsten gleich wieder zum Hotel gefahren, aber auf Grund unserer weiteren Planung, Besuch und so, geht das natürlich nicht.
Also kaufen wir ein Dutzend verschiedene Pants und noch sechs geile, verschieden farbige Netzslips für die heißen Tage und Nächte im Sommer. Dann finde ich noch eine super geile Badeshorts von Diesel, die ich auch noch mit zur Kasse nehme.
Sergej verdreht die Augen, als er die Summe sieht, die mein Unterwäschetick gerade kostet. Mir kommt das jetzt ganz normal vor, ich bezahle und drücke ihm die Tüte mit einem Kuss in die Hand und sage provokant: „Hier, mein Schatz, deine neuen, geilen Höschen“.
Der kleine süße Verkäufer kriegt fast den Mund nicht mehr zu und schmachtet Sergej geradezu an. „Das ist meiner, also glotz nicht so, Kleiner“, sag ich grinsend zu ihm, nehm meinen Schatz an die Hand und wir laufen hinter Martin her, der schon leise lachend weiter gegangen ist.
„Den haste aber jetzt geschockt, Jerome“, sagt Martin lachend und auch Sergej kann sich ein fettes Grinsen nicht verkneifen. Wir laufen weiter durch das Untergeschoss, immer auf der Suche nach coolen Kleiderläden. So langsam nimmt der Betrieb hier zu, es geht auf Mittag zu und viele kommen her, um was zu essen in den kleinen Läden und Bistros.
„Lust auf Döner?“, fragt Martin, der weiß, dass ich das gerne mag. „Jetzt noch nicht, Martin, das Frühstück hält mich noch satt, aber später bestimmt“, sag ich und schaue Sergej an. Der nickt und sagt: „Später gerne, ich mag das auch und hier soll der Döner auch gut sein“. „OK“, sagt Martin, „dann später.“
„Ich möchte deinen Geschwistern etwas schenken“, sag ich zu Sergej, „den Mädchen auf jeden Fall, weil Boris ja den Ball bekommen hat und sie nichts. Was hältst du davon, wenn du deine Mutter mal anrufst und nach der aktuellen Kleidergröße fragst, dann kaufen wir für die Mädchen ein cooles Teil.“
Sergej nimmt sein Handy und ruft seine Mutter an und Martin notiert die von Sergej angesagten Größen der Mädchen in seinem Organizer. Jetzt machen wir uns auf die Suche nach einem coolen Laden für die Kids. „Hier gibt’s doch H& M, das wär doch was“, sagt Sergej, „das war doch gleich am Eingang. Da findest du bestimmt was.“ Also gehen wir zurück dorthin und suchen was für die drei Mädchen.
Sergej beweist seinen guten Geschmack und so kaufen wir für alle drei eine tolle Jeans und ein darauf passendes cooles T-Shirt und packen das jeweils für sich ein. Martin zückt die Karte, aber ich winke ab und bezahle das Ganze bar. Den Kassenzettel geb ich Sergej und sag ihm: „Gib den deiner Mutter, für den Fall, das was nicht passt oder nicht gefällt. Falls es zum Umtausch kommt, braucht sie den Zettel.
Jetzt gehen wir hinauf in das Obergeschoss und schauen uns da um. Vielleicht finde ich ja noch etwas, was uns beiden gefällt, eine Jeans oder eine dreiviertel lange Sommerhose oder vielleicht eine Baggy, obwohl würde eine Baggy nicht unbedingt Mamas Beifall finden. Sie findet diese Hosen einfach bescheuert und ich will eigentlich wegen sowas keine Diskussionen.
Dann fällt mir ein, das Mama im Juni vierzig wird und das da eine große Fete stattfindet mit all den Typen und ihren Familien, die in Politik und Wirtschaft mitreden dürfen, die einen auf Grund ihres Amtes und die anderen auf Grund ihres Geldes. Da braucht mein Schatz einen Anzug und ein oder zwei passende Hemden dazu.
„Sergej, wir müssen einen Anzug kaufen, für dich, Mama wird am 7. Juni vierzig und da ist Gala angesagt“, sag ich zu meinem Schatz und Martin sagt: „Gute Idee, vielleicht finden wir hier was und du könntest auch einen Neuen gebrauchen, Jerome. Das bezahl ich mit der Karte, das hätte sowieso deine Mama übernommen und für zwei vernünftige Anzüge wird es wohl eh nicht mehr reichen, dein Geld.“
Bei Esprit werden wir pfündig und kaufen für uns beide je einen Anzug mit Weste und mit zwei Hosen, eine davon in einer etwas anderen Farbe, so das eine Kombination draus wird, je zwei gleiche Hemden und auch noch je zwei gleiche Krawatten. Wir werden dort im Partnerlook auftreten, habe ich für uns beide beschlossen und Sergej hat zustimmend genickt.
Bezahlt hat Martin mit der Karte und es war alles zusammen diesmal vierstellig vor dem Komma auf dem Kassenzettel. Wir haben uns das beide angezogen und Martin hat mit dem Handy einige Bilder gemacht und gleich an Mama geschickt. Die war mit unserer Auswahl sehr zufrieden und hat den Kauf ausdrücklich begrüßt.
Auch die Tatsache, dass wir beide das gleiche Outfit gewählt haben, findet ihre uneingeschränkte Zustimmung. Ich habe es euch ja schon mehr wie einmal gesagt, meine Mama ist einfach Klasse.
Das mit den Anzügen, das hat jetzt schon länger gedauert und jetzt wird es auch Zeit, mal an den Döner zu denken, sonst ist es nachher zu spät dafür. Also gehen wir zunächst ans Auto und verstauen die Sachen im Wagen. Dann suchen wir den Dönerladen auf und essen dort ein Kebab mit allem drum und dran und trinken ein Cola dazu.
Sergej ist erstaunlich ruhig und nach einem Blick in sein Gesicht frag ich meinen Schatz: „Was ist mit dir? Du bist plötzlich so still, was geht vor in deinem Kopf?“ Er sieht mich an, seine Augen nehmen mich gefangen und er sagt leise: „Weißt du, mein Schatz, so eine Shoppingtour ist neu für mich. Das letzte Mal, in Bremen, das waren ja Peanuts gegen heute. Wir haben in zwei Stunden fast das Doppelte aus gegeben, als ich in einem Monat verdiene. Es ist nicht bei ein paar Unterhosen geblieben.
Ich muss mich daran gewöhnen, dass bei Euch alles andere Dimensionen hat, alles ein paar Nummern größer und teurer ist. Das dauert und ich denke manchmal auch, dass ich doch jetzt nicht einfach so alles als selbstverständlich und normal empfinden kann, nur weil wir jetzt zusammen sind.
Ich spüre nach sowas wie heute ein schlechtes Gewissen, eine Stimme in mir, die mir sagt, das ich mich doch vielleicht auf eine andere Art und Weise kaufen lasse, obwohl das niemals deine Absicht ist, das weiß ich genau. Ich weiß, das ist doof, aber solche Gedanken kommen halt gerade und das zwing mich dazu, über uns und alles nach zu denken.
Du und deine Mutter, ihr habt mich jetzt komplett neu eingekleidet, von der Unterwäsche bis zum Anzug, du, weil dir meine Unterwäsche nicht gefallen hat und deine Mama, weil sie mich an ihrem Geburtstag standesgemäß gekleidet sehen will.
Dann krieg ich Angst, Angst davor, das ihr auch an mir und meinem Ich noch das ein oder andere ändern wollt, damit ich in eure Welt passe. Ich will aber der Sergej bleiben, der ich noch vor vier Wochen war, der Sergej, der dir gefallen hat und den du dazu gebracht hat, zum ersten Mal einen Jungen zu lieben.
Der Sergej, der unbedarft, als Kellner in der Cafeteria und in C&A Klamotten, dein Herz erobert hat, der Sergej, ist der immer noch gut genug für dich? Oder wollt ihr den nach und nach umbauen, zu einem Sergej, der besser in eure Welt passt als der, der hier vor dir sitzt?“Er seufzt tief, hat zwei Tränen in den Augen. Ich will ihn in den Arm nehmen, aber er weicht zurück, sieht mich an.
„Ist das so oder darf ich der bleiben, der ich bin?“ fragt er und sieht mich anklagend an, „ muss ich mich, damit du mich liebst, vom meinem Ich verabschieden, dich und deine Familie über mein Leben entscheiden lassen, ohne Mitspracherecht? Der Preis wäre mir zu hoch, Jerome, ich könnte nicht damit leben, zu einem verformten, anderen, gekauften Sergej zu werden.“
Er steht auf, schiebt den Stuhl zurück und sagt: „Ich möchte allein zu mir nach Hause gehen, ich muss nachdenken, mit meinen Eltern reden, muss über uns nachdenken, muss mir klar werden über meine Gefühle, die ich jetzt gerade empfinden, muss für mich heraus finden, ob ich nicht doch, wenn auch von dir nicht gewollt, gerade gekauft werde“.
„Bitte bleib, Sergej, bitte geh jetzt nicht fort“, sag ich, fast panisch. Was geht denn hier vor, wieso sagt er jetzt all diese Sachen. „Bitte, lass mich nicht allein, ich brauch dich. Wir können doch über alles reden, du siehst das vielleicht nur aus der falschen Perspektive. Bitte!“
„Ruf mich an, aber nicht vor sechs, vielleicht weiß ich dann, wie es weitergeht mit uns. Ich muss jetzt allein sein und dann später mit meinen Eltern reden. Versteh das bitte, das hat nicht mit meinen Gefühlen für dich zu tun, jedenfalls sind die nicht anders, als heute Morgen. Das alles überfordert mich, das muss ich erst mal begreifen und dann ja auch akzeptieren“, sagt er, dann dreht er sich um und läuft davon.
Ich sitz da, wie gelähmt, schaue Martin an, der in den Tränen, die mir jetzt kommen, langsam verschwimmt. Dann spüre ich seine Hand an meiner Schulter und dann zieht er mich hoch und nimmt mich in den Arm. Ich weine jetzt hemmungslos, mein Herz tut mir weh. Warum ist er denn jetzt einfach so fort.
Meine Gedanken von heute Morgen über uns du unsere Liebe fallen mir wieder ein. Wie er die Veränderungen hin nimmt, sich mit ihnen auseinandersetzt, weil er mich liebt. Vielleicht war ich zu blauäugig, habe seine Bedürfnisse nicht wahrgenommen, seine Kraft, die Dinge zu akzeptieren überschätzt, hab seine Ängste nicht gespürt in meiner Euphorie über unsere Liebe.
Ich, nein wir haben ihn überfordert, einfach über ihn bestimmt, ihn zu wenig gefragt, nach seinem Leben, nach seinen Wünschen. Mama, die wüsste vielleicht eine Lösung, aber die ist weit weg. Ich muss skypen, mit Mama skypen, jetzt.
„Martin, bitte bezahl, wir müssen ins Hotel, ich muss mit Mama skypen“, sag ich, trockne meine Tränen und werde langsam etwas ruhiger. Martin bezahlt und dann gehen wir zum Auto. Die vage Hoffnung, er könnte dort auf uns warten, erfüllt sich natürlich nicht.
Ich steige niedergeschlagen ein, einen Blick auf die Tüten werfend, in denen die Sachen für seine Geschwister sind. Wieder kommen mir die Tränen und ich muss an die kleine Vanessa denken. Das kann es doch nicht gewesen sein, ich lieb ihn doch wie verrückt, was mach ich denn, wenn er Schluss macht mit mir. Ich darf gar nicht dran denken.
Wir kommen im Hotel an und ich gehe sofort hoch, Martin kümmert sich um die Sachen. Der Laptop ist schnell hochgefahren, während ich die Nummer gewählt habe. Mama ist am Telefon. Mit tränenerstickter Stimme bitte ich sie, Skype anzumachen und allein mit mir zu skypen.
Bald darauf sehe ich sie, mit sorgenvollem Gesicht und fang an, ihr alles zu erzählen. Von heute Morgen an, Details verschweige ich natürlich, aber das wir uns geliebt haben, das sag ich ihr schon. Mit Mama kann man über alles reden. Sie hört mir zu, stellt ab und zu eine Frage, erträgt meine Heulattacken zwischendurch, sagt mir, dass alles gut wird.
Als ich fertig bin, sagt sie, das sie kommt, nach Dresden, so schnell es geht, sie redet gleich mit Papa. Papa hat eigentlich alle Möglichkeiten und Mama sagt, ich soll im Hotel bleiben, bei Martin, soll keine Dummheiten machen, es wird alles gut. Wir unterbrechen die Verbindung und ich rufe Martin an. Der kommt dann auch bald, bringt die verfickten Tüten mit den Anzügen mit, die ich jetzt gar nicht sehen will.
„Wenn es nicht die Anzüge wären Jerome“, sagt er, „wäre es was anderes gewesen. Wir haben deinen Schatz einfach überrollt mit dem ganzen Remmerschen Reichtum, das war zu viel auf einmal, aber ich glaube, das wird wieder und danach ist alles bestimmt noch viel besser“.
„Und wenn nicht?“, sag ich, aufschluchzend, „das halte ich nicht aus. Dann will ich nicht mehr leben“. „Quatsch“, sagt Martin, hör auf mich, das wird schon wieder“ Er nimmt mich in den Arm und drückt mich. „Ich werde mal einen doppelten Whisky für dich bestellen und dann erzählst mir dann, was deine Mama gesagt hat.“
„Mama will herkommen, so schnell es geht. Sie wollte gleich mit Papa reden. Sie meint, das sie vielleicht mal mit Sergej reden sollte, er hat da wohl einige Dinge falsch verstanden und über das Gefühl, das wir ihn kaufen wollen, da will sie mit ihm klären, das das ein Irrtum ist, dem er unterliegt“, erzähl ich, was Mama so alles zwischendrin gesagt hat.
Als der Whisky kommt, sehe ich, dass sich der Page suchend im Zimmer umsieht, so als ob er Sergej vermissen würde. Das ist fast wie ein Schlag in den Magen und ich stürze den Schnaps in einem Zug in mich hinein. Das Brennen in der Kehle ist nicht gegen das Brennen in meinem Herzen, oh Sergej, ich vermisse dich schon so.
So, das war Teil 15, der vielleicht nicht so endet, wie sich das viele wünschen würden. Allerdings ist ja noch nicht alles verloren und so müssen wir halt warten, wie es weitergeht
Meinungen werden gerne gelesen, auch solche, die nicht mit dem Geschriebenen einverstanden sind
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